Margaret Goldsmith

Good-bye für heute

Roman
Cover: Good-bye für heute
Aviva Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783949302299
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen, herausgegeben und mit einem Nachwort von Eckhard Gruber. Berlin 1926: Die junge Medizinstudentin Karin lebt mit ihrer Mutter Jean und ihrem Zwillingsbruder Erhard nach dem Tod des Vaters im einstigen Stadtdomizil der Familie am Lützowplatz. Nach Krieg und Inflation eröffnen sich in der Weimarer Republik neue Freiheiten und Perspektiven und Karin blickt ihrer Zukunft voller Neugier und Zuversicht entgegen.Doch nicht nur die einst herrschaftliche Wohnung ist nach dem Krieg geteilt und zimmerweise vermietet, auch durch die Familie ziehen sich Risse. Während die gebürtige US-Amerikanerin Jean, die seit dem Tod ihres Mannes Graf Tarnowitz wieder als Journalistin arbeitet, als überzeugte Demokratin den erzkonservativen Einstellungen ihrer adligen Schwiegerfamiliefernsteht und Karin der sozialistischen Partei beitreten möchte, wünscht sich Bruder Erhard die Monarchie zurück und ist fanatischer Nationalist und Antisemit. Die Konflikte in der Familie und die zunehmende Radikalisierung des Bruders überschatten Karins Studienjahre - bis schließlich ein Attentat geschieht. Auch für Jean, die sich nach dem Ende ihrer unglücklichen Eheberuflich und privat neu zu orientieren versucht, stellt eine unerwartete Konfrontation mit der Vergangenheit einiges auf den Kopf.Goldsmith verzahnt in ihrem Debütroman von 1928 die polarisierte politische Stimmung in Berlin mit den alltäglichen Zwistigkeiten der Familie und beschreibt eine Gesellschaft am Kipppunkt. Im Aufeinandertreffen unterschiedlichster Romanfiguren, darunter derjüdische Rechtsanwalt Herbert Mendelssohn, der englische Maler Martin Trevelyan und der US-amerikanische Schriftsteller Mark Huntington, schildert sie plastisch die Prägungen verschiedener kultureller Milieus und Herkunftsländer. Zugleich entwirft sie einlebendiges Bild zweier Generationen sich emanzipierender Frauen, von deren Kampf um Gleichstellung, gesellschaftliche Anerkennung und neue Sexualmoral.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2025

Rezensentin Tina Hartmann freut sich, dass nach "Patience geht vorüber" ein zweiter Roman von Margaret Goldsmith wiederentdeckt werden kann. Goldsmith, in Milwaukee geboren, in Berlin aufgewachsen und später erste stellvertretende Berliner US-Handelskommissarin, erzählt ihr hier die Geschichte von Ex-Gräfin Jean, die sich nach Inflation der Zwanziger und Tod des Mannes mit zwei Kindern als Korrespondentin englischsprachiger Magazine im Berlin der Zwanziger tapfer durchschlägt - und ihre Tochter schließlich vor männlichen Besitzansprüchen schützt. Bestechend ist der Roman vor allem durch seine "Situationskomik", durch "philanthropische" Beschreibungen, aber auch durch die Subtilität, mit der Goldsmith den beginnenden Antisemitismus entlarvt und die jüdische Wehrhaftigkeit aufzeigt, findet Hartmann. Dass es im Roman mitunter allzu dramatisch zugeht, verzeiht die Rezensentin gern: Viel zu gern folgt sie Goldsmith' überraschend gegenwärtig wirkenden "Flapper Girls" durch Berlin.

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