Wolfgang Preiser (1903-1997) war Professor für Strafrecht und Völkerrecht. Er gründete an der Universität Frankfurt 1955 ein "Institut für Geschichte des Völkerrechts". Diese Biografie erzählt Preisers Leben und interpretiert sein Werk. Sie fußt auf Recherchen in mehreren Archiven und verwendet Zeitzeugen-Interviews. Preiser interessierte sich für die Ursprünge des Völkerrechts. Er behielt seine Faszination für dessen früheste Zeugnisse im Nahen Osten bei. In seinem Spätwerk widmete sich Preiser außereuropäischen Weltregionen und dortigen Erscheinungsformen von dem, was er als Völkerrecht erkannte. Die Studie ist daher ein Beitrag zum Begriff des Völkerrechts und den Problemen seiner historischen Erforschung jenseits des Eurozentrismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2025
Viel lernt Rezensent Daniel Damler von Miloš Vecs Buch über Wolfgang Preiser, einen frühen Historiker des Völkerrechts. Preiser beschäftigte sich mit dem seinerzeit noch nicht allzu gut erforschten Thema an seinem Institut für Geschichte des Völkerrechts an der Universität Frankfurt, interessant aus heutiger Sicht ist an seinen Schriften, zeichnet Damler Vecs Argumentation nach, dass sie trotz eurozentrischer Schlagseite auch nichteuropäische Regionen in den Blick genommen hatten. Besonders gut gefallen Damler Passagen, in denen Vec sich mit Preisers Wirken als Richter in der NS-Zeit beschäftigt, im Nachhinein argumentierte Preiser, dass es ihm gelungen sei, gelegentlich Angeklagte vor Unrecht zu bewahren. Damler merkt allerdings auch im Anschluss an Vec an, dass letztlich nicht überprüfbar ist, ob das tatsächlich stimmt. Insgesamt erfährt man einiges Relevantes über einen, der das Denken über das Völkerrecht in der Nachkriegszeit entscheidend prägte.
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