Freud begann sein revolutionäres Werk in der Einsamkeit des Privatdozenten und Nervenarztes. Vor dem Ersten Weltkrieg fand es die Anerkennung der Züricher Universitätspsychiater, daraufhin auch vermehrt die Aufmerksamkeit der deutschen Fachöffentlichkeit und in der Weimarer Zeit viel Anklang im aufblühenden Feld der Psychotherapie. Die Rezeption der psychoanalytischen Lehre und Praxis war wie so oft, wenn Neues aufkommt, interessiert, gelegentlich zustimmend, häufiger kritisch. Aus einem Gefühl der Überlegenheit verweigerten sich Freud und seine Anhänger der Auseinandersetzung mit der methodischen, inhaltlichen und ärztlich-ethischen Kritik ihrer Kollegen. Sie gingen ihren eigenen Weg, mit einer eigenen Fachvereinigung, Fachausbildung und Theoriesprache. Ab 1933 wurde die Eigenständigkeit zerschlagen, nach 1945 langsam wiederhergestellt. Das Buch beschreibt die Erfolge der Psychoanalyse auf ihrem Weg der Isolation und die Schwierigkeiten, die dieser Weg mit sich brachte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2023
Rezensent Andreas Mayer hätte sich mehr methodische Reflexion erwartet vom Soziologen Michael Schröter und seiner Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland bis 1945. Schade findet Mayer, dass Schröter seine umfassende Kenntnis der Materie an den Versuch einer Revision einer Freud-lastigen Historiografie verschwendet. Damit rennt der Autor längst weit offenstehende Türen ein, meint Mayer. Schröters sozialpsychologischer Ansatz aber durchdringt die Kontroversen und die Praxis der Psychoanalyse kaum und ihre Ideengeschichte gar nicht, bedauert er. Was bleibt, ist laut Mayer ein rezeptionsästhetisches Erklärungsmodell, das die Psychoanalyse zur Sekte degradiert. Etwas dürftig, findet er.
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