Das Buch analysiert die Versuche der Nationalsozialisten eine eigene moralische Ordnung in philosophischen, medizinethischen und ideologischen Texten zu begründen. Dabei zeigt Wolfgang Bialas, wie klassische moralische Denkfiguren durch die nationalsozialistische Rassenethik eines artgerechten Humanismus ideologisch umfunktioniert wurden. Gegenüber den Juden gab es keinerlei moralische Verpflichtungen. Einen eigenen Abschnitt widmet das Buch den Bemühungen der Täter, sich nach der Zerschlagung des Nationalsozialismus mit dem Verweis auf ihre ideologische Indoktrinierung für moralisch unzurechnungsfähig zu erklären.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2014
Gab es eine nationalsozialistische Moral? Spätestens mit dieser Arbeit von Wolfgang Bialas vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden scheint Michael Wildt die Frage beantwortet. Wenn Bialas seine Untersuchung akribisch auf die Basis breiter Lektüre nationalsozialistischer Schriften stellt und in Kapitel mit Überschriften, wie "Rasse", "Geschlecht" oder "Krieg" einteilt, um diese Moral vom bürgerlichen Humanismus zu unterscheiden, sieht sich Wildt im Panoptikum einer "schrecklichen Moralherrschaft". Allerdings bleibt die Frage des Übergangs von einer "Ordnung" zur anderen für den Rezensenten im Buch unbeantwortet. Und auch die Konsequenzen dieser Moral für das konkrete verbrecherische Handeln scheint ihm der Autor nicht empirisch genug angegangen zu sein.
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