Michael Schindhelm

Zauber des Westens

Eine Erfahrung
Cover: Zauber des Westens
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2001
ISBN 9783421054425
Gebunden, 208 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Außen vor, das war Michael Schindhelm wie alle Bürger der DDR vor 1989, die westliche Wirklichkeit hatte den Charakter des Virtuellen, allein über die Mattscheibe in den Osten getragen. Das Paradies lag in Sichtweite - und war doch unerreichbar. Dann brach die neue Wirklichkeit aus, das Paradies öffnete seine Pforten, und alles kam ganz anders. Zunächst noch verklärt vom Zauber des Westens, folgte bald schon die Ernüchterung, in einem beispiellosen Auf und Ab der Gefühle. Gewohntes wurde brüchig, Erwartetes traf nicht ein. Michael Schindhelm, heute Theaterdirektor in Basel, beschreibt seine ganz persönliche Erfahrung mit der neuen Wirklichkeit: den Weg von Außen- zum Innenblick, eine höchst interessante Metamorphose von Selbst- und Weltwahrnehmung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.01.2002

Andreas Lehmann ist beeindruckt und angetan von diesem Buch, das die deutsch-deutschen Erfahrungen des Theaterintendanten Michael Schindhelm, der in der DDR Quantenchemiker war, enthält. Eindrucksvoll schildere der Autor eine "Geschichte aus der Übergangsgesellschaft", schwärmt der Rezensent. Er hat viele sehr "genauen Beobachtungen" gefunden und freut sich, dass Schindhelm keinerlei "falsche Vorsicht" walten lässt, wenn er die Neurosen des Westens beschreibt. Einzig, dass der Autor das, was er in der westlichen Gesellschaft kritisiert, nämlich das gnadenlose Überbordwerfen von "Traditionen und Überzeugungen", im Theater selbst praktiziert, wundert Lehmann etwas. Doch davon abgesehen preist er das Buch als "politisch relevanter" als so manche politische Studie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.07.2001

Jürgen Verdofsky kann sich keinen rechten Reim auf das zweite Buch des Theaterintendanten Schindhelm machen, doch schreibt er sich im Verlauf seiner Rezension richtig in Rage. Dass das Werk "jeden belletristischen Rahmen sprengt" und ein Stück "Kulturkritik" darstellt, muss ja kein Nachteil sein, doch dass in der "Erfahrung", die der Autor hier aufgeschrieben hat, auch so manche "üble Nachrede" über einen Kollegen enthalten ist, findet der Rezensent weniger sympathisch. Auch sprachlich ist er nicht überzeugt von dem Buch, zu viel "Theaterbrauchtum", Wortwiederholungen und Stakkati, und das auch noch ohne jeden "Humor", wie der Rezensent bedauernd feststellt. Richtig ärgerlich aber macht ihn die "wechselnde Meinungshuberei" Schindhelms, die zudem nicht einmal originell sei, sondern anderswo schon mal "klarer" zu lesen war, so Verdofsky verstimmt. Dass dann auch noch kein Gedanke wirklich "zu Ende gedacht" wird, lässt ihn das Buch schließlich enttäuscht zur Seite legen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2001

Ein Quantenchemiker aus der DDR wird Theater-Intendant in der Schweiz. Na und? Die im Untertitel des Buches versprochene "Erfahrung" hat Konrad Franke beim besten Willen nicht ausmachen können. Überhaupt hält er den Autor nicht gerade für einen Ausbund an Originalität, die Nachwende-Zeit aus der Sicht eines Besiegten - "das las man anderswo bereits". Das "besser" kann man sich denken. Um so mehr, da Franke tapfer weiter sucht nach der "Erfahrung"; allein was schreibt "der leise weinende Zeitgeist-Schilderer"? "Dass die Schindhelms am Samstag-Abend Kartoffelsalat mit Würstchen aßen und dabei West-Fernsehen sahen." Auch eine Erfahrung.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.03.2001

Ein Verriss! Andreas Nentwich beschreibt den Theaterregisseur Michael Schindhelm in seiner Kritik als einen Mann, der "nicht zu fassen" ist. Ob es nun um den rasanten Kulturverfall, die `Multioptionsgesellschaft`, Markenkult oder die Demokratie geht - Schindhelms eigener Standpunkt bleibe noch in der schneidendsten Kritik undurchsichtig. Er will, schreibt Nentwich, "für seine Taten bewundert und doch nicht auf sie festgelegt" werden. Wenn er von sich spricht, wähle er nie das Wort `Ich` sondern stets `Er` und erzeuge so eine Vielfalt seiner Person. Hiermit, so Nentwich, macht er sich groß, entzieht sich und pflegt letztendlich doch nur seinen Chauvinismus. In den Augen des Rezensenten ist Schindhelm ein "Ich-Schwadron", der nicht nur `Einer` sondern `Mehrere` sein will. Er baut "ein Blendwerk auf, hinter dem Sinnleere gähnt" und bedient sich dabei einer "flotten und sarkastischen" Sprache, die in der jedoch vor allem seine Eitelkeit spiegele.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2001

"Am besten wäre wohl, dieses irrtümliche Buch ganz schnell wieder zu vergessen". Eine vernichtende Kritik, die Beatrix Langner über das autobiografische Buch des Theatermachers Michael Schindhelm ausspricht. In seiner kulturkritischen Kampfschrift wimmle es vor lauter Ungereimtheiten. Der Autor spare in seinem sechsteiligen Essay über Teletubbies, Reality-Shows, bulimische Massenepidemien, genomische Perfektionsraster, 68er und Bildungsbürger nicht mit harter Kritik, informiert die Rezensentin. Und sei dabei selbst so angreifbar. Und reichlich selbstgerecht, ärgert sich Langner. Schindhelms Ausführungen seien eine Ich-Inszenierung, deren Reflexion sich durchgehend auf einer symbolischen Ebene bewege und im Verschwommenen schwelge. Es wäre interessant gewesen, so die Rezensentin, wenn Schindhelm einfach über seine mehr als zehnjährige Erfahrung als ostdeutscher Theatermacher in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche geschrieben hätte. Seinen wehleidigen Rundumschlag aber mag die Rezensentin keinem empfehlen.