Corinne Holtz

Ruth Berghaus

Ein Porträt
Cover: Ruth Berghaus
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2005
ISBN 9783434505471
Gebunden, 395 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Ob Mozart, Verdi, Wagner, Richard Strauss oder Werke ihres Ehemannes Paul Dessau. Ruth Berghaus Inszenierungen waren immer kontrovers: Leicht hat sie es den Zuschauern nie gemacht, mit einer Zeichensprache, die dicht war bis zum Hermetischen, die sich bei einmaliger Betrachtung zuweilen nicht erschloss, die aber immer nachwirkte. Ruth Berghaus hat nur wenig Privates Preis gegeben, aus persönlicher Diskretion, zum einen weil es sich unter den Bedingungen einer Diktatur verbot, zu viele Spuren zu hinterlassen, zum anderen, weil sie durch ihre Arbeit sprechen wollte. Corinne Holtz hat sich auf die Suche gemacht: Sie recherchierte in Archiven, nahm Einsicht in die Akten der SED, der Akademie der Künste und des Staatssicherheitsdienstes und sprach mit Zeitzeugen, Freunden und Kollegen wie Peter Konwitschny, Jenny Erpenbeck, Klaus Zehelein und Michael Gielen. Entstanden ist das Porträt einer ungewöhnlichen Regisseurin, deren herausragende und herausfordernde Arbeiten weit über ihren Tod hinaus wirksam sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.07.2006

Nicht nur gründlich, auch einfallsreich recherchiert habe Corinne Holtz ihr Porträt der Ruth Berghaus. Nötig, so Rezensent Klaus Jungheinrich, sei dies schon deshalb gewesen, weil Ruth Berghaus nicht mehr zur persönlichen Auskunft zur Verfügung gestanden habe und sie sich zudem im öffentlichen Raum hinter der Maske einer schlecht gelaunten DDR-Intellektuellen gewissermaßen versteckt habe. Nur viele Gesprächspartner und "kluge" Kommentare der Autorin würden hier für die nötige Anschaulichkeit sorgen, wenngleich, so der Rezensent, das "Netz" der einflussreichen Freunde und Feinde in der DDR nahezu undurchschaubar bleibe. Ihr enormes Arbeitspensum, referiert der Rezensent, habe Ruth Berghaus nur deshalb leisten könne, weil sie ihre Inszenierungen nach einer gewissen Kreativphase doch sehr rigide umgesetzt habe. Als Künstlerin sei sie aus heutiger Sicht wohl weniger relevant, denn als einflussreiches Vorbild einer ganzen Generation.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2005

Wolfgang Schreiber zeigt sich überaus angetan von dem Porträt, das die Musikredakteurin und Geigerin Corinne Holtz der 1996 verstorbenen Regisseurin Ruth Berghaus widmet. Berghaus habe künstlerisch Großes geleistet, ohne dabei jemals Angst vorm Anecken gehabt zu haben, und weise zudem einen beeindruckenden Lebenslauf vor, der sie nicht nur in die höchsten künstlerischen Posten der ehemaligen DDR geführt habe, sondern ihr dank ihres internationalen Renommees auch Freiräume ermöglichte, die alles anderes als alltäglich waren. Zum anderen aber gilt das Lob des Rezensenten der Autorin selbst, die ihr Buch "faktenreich und temperamentvoll" geschrieben habe und es aus einer Fülle von Quellen von den verschiedensten Archiven bis zu Stasi-Unterlagen speise. Wolfgang Schreiber hat an diesem Buch wahrlich nichts auszusetzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2005

Im Zentrum von Corinne Holtz' Biografie stehe eine "luzide dramaturgische Rekonstruktion" der wichtigsten Berghaus-Produktionen in Frankfurt, Zürich und Ost-Berlin, analysiert der Rezensent. Holtz könne so nachweisen, dass "die Berghaus" insbesondere mit ihren Produktionen im Westen diesem keinen Schaden zufügen wollte, wie es einige Kollegen unterstellten. Vielmehr sei sie einfach nur konsequent dem Ausdruckstanz von Gret Palucca und der Verfremdungsästhetik von Bertold Brecht, dessen Nachfolgerin sie am Berliner Ensemble war, bis in ihr Spätwerk gefolgt. Und hier, in Zürich, sei Ruth Berghaus in den 90er Jahren "angekommen", referiert Rezensent Michael Schindhelm und fragt, ob die Schweizer Autorin ihr Land damit zu einer Art antikapitalistischem Utopia erhebe. Summa summarum sei diese erste biografische "Annäherung" an Ruth Berghaus, die Geschichte einer Karriere vom BDM-Mädchen zur "unerbittlichen Zuchtmeisterin der Avantgarde", "stimmenreich, bild- und gedankengenau". Eine ideologiekritischer Rückblick auf eine beispielhaft sowohl "staatstragende" als auch "staatskritische" Künstlerin sei es nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.06.2005

Unbedingt lesenswert findet Rezensentin Viola Roggenkamp die Biografie der Opernregisseurin Ruth Berghaus. Corinne Holtz zeichne mit einer "guten, einer schnellen Sprache" den Lebensweg der Berghaus nach, von ihrer Geburt 1927 in Dresden über ihre BdM-Zeit, ihren Aufstieg zur einflussreichen DDR-Kulturfunktionärin und revolutionären Regisseurin, die sich mit ihren Inszenierungen in Ost und West mehr Feinde als Freunde gemacht habe, bis zu ihrem selbst inszenierten Begräbnis 1996. Was diese Biografie zu einem hochinteressanten Dokument auch für Opernverächter mache, seien die signifikanten "deutschen Verstrickungen", die hier ein Schicksal beeinflusst hätten: "Vater Sozi, Stiefvater Nazi, Ehemann (nach 1945) Jude". Daher, so empfindet es die Rezensentin, könne man aus dem von Holtz sorgfältig recherchierten Leben der Berghaus viel über deutsche Geschichte lernen, insbesondere über die untergegangene DDR.

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