Klappentext

Ein Tagebuch aus der sozialistischen Spätantike, als Franz Josef Strauß Bayern regierte und Helmut Kohl westdeutscher Bundeskanzler wurde. Und als H.M. Enzensberger mit Gaston Salvatore ein berühmtes, flüchtiges Zeitschriftenprojekt namens "Transatlantik" gründete, in dessen Münchner Redaktion Michael Rutschky seine Laufbahn als öffentlicher Intellektueller begann. Entstanden zwischen 1981 und 1984, erzählen diese Aufzeichnungen gleich mehrere Romane. Nicht nur den von Michael Rutschky und seiner Frau Katharina, samt unbekannten und durchaus bekannten Menschen inmitten der Landschaft zwischen Isarnacktstrand, nordhessischer Provinz und Westberlin. Hier kann man sehen, wie Traum, Tagtraum und obsessive Nabelschau ein ebenso schöpferisches wie unterhaltsames Klima für kritische Geister bildeten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.10.2015

Eberhard Geisler wirkt nicht zufrieden mit Michael Rutschkys Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren seiner Redaktionsarbeit bei "TransAtlantik" und "Merkur" in den 80ern. Geisler vermisst darin die Sehnsucht nach Begriffen, die dem Leser etwas Bleibendes beschert. Stattdessen schreibt der Autor theoriefern, wenngleich mitunter humorig über Frau Habermas beim weihnachtlichen Shoppen, Keipenbesuche und den Freund Rainald Goetz. Geisler ist das zu banal. Allerdings weiß der Rezensent auch, dass seine Erwartungen relativ hoch waren. So hatte er sich etwa vorgestellt, der Autor würde seine Beschäftigung mit Jüngers Tagebüchern irgendwie fruchtbar machen und als meinendes Subjekt in Erscheinung treten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.09.2015

Gustav Seibt kann mit Michael Rutschkys phlegmatischem Gestus leben. Mitunter wird er etwas hibbelig, wenn der Autor allzu arg auf die Bremse tritt und in seinem Tagebuch statt eines bunten intellektuellen Sittenbilds der frühen Achtziger (um die es ja geht!) den politisch-kulturellen Zeithintergrund nur in Millidosen liefert. Raketenwinter, Strauß, Kippenberger, Pop- und Technodämmerung? Fehlanzeige. Immerhin: Was Frau Habermas zu Weihnachten einkaufte, was im Sesselkino lief, wie die Gastronomie in Bad Kissingen war und wie es bei Transatlantik im Flur zuging, erfährt der Rezensent. Humorvoll? In Maßen, meint Seibt ein wenig zerknirscht. Doch wenn der Text wieder mal gelassen skeptisch schauend mit dem Weltlauf in eins fließt, ist er zufrieden.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.09.2015

Das Kreuzberger Intellektuellengewächs Michael Rutschky mag ein paar philologische Texte geschrieben haben, sein Steckenpferd ist und bleibt aber die Alltagsbeobachtung, weiß Rezensentin Ursula März. Nachdem es für eine Weile still um den Autor geworden war, fasst Rutschky in seinem neuen Buch "Mitgeschrieben" nun die gesammelten Beobachtungen von mehreren Jahrzehnten zusammen, erklärt die Rezensentin, und die umfassen so ziemlich alles von den Vorzügen von Cockerspaniels und Enzensbergers Orchideenblatt Transatlantik zu Ausflügen mit Rainald Goetz und den Speisekarten von ausgewählter Gastwirtschaften, berichtet März angetan.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.09.2015

Für den Rezensenten Claus-Ulrich Bielefeld bieten Michael Rutschkys Notate aus den Jahren 1980-84 eine schöne Möglichkeit, sich der Achtziger zu erinnern. Wenn Rutschky dem intellektuellen Einzelgänger R. über die Schulter sieht, wie er in der "Transatlantik"-Redaktion gegen HME oder die Korrektorin ankämpft oder Twistigkeiten mit seiner Frau aussteht, fühlt sich Bielefeld gut unterhalten. Nicht-Insider allerdings warnt der Rezensent vor einer gewissen Rücksichtslosigkeit des Autors beim Beschreiben eines doch sehr speziellen Soziotops, Anmerkungen, meint er, enthält der Band nicht. Und wer allergisch auf selbstquälerische Präzision und Wiederholungen reagiert, sei vom Rezensenten ebenfalls gewarnt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.09.2015

Die taz hat einen kleinen Coup gelandet. Mit Philipp Felsch, dem nachgeborenen Historiker des Merve-Theorie-Zeitalters, bespricht genau der Richtige dieses Buch mit Tagebuchnnotizen Michael Rutschkys. Es ist amüsant, den Kritiker dabei zu beobachten, wie er die achtziger Jahre, die doch gerade vorbei sind, ins goldene Licht der Legenden rückt. Rainald Goetz spielt eine Hauptrolle in diesen Tagebüchern, und zwar als WG-Mitbewohner, in einer Zeit, in der er noch nicht bekannt war. Aber es treten auch Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore auf, womit der (geben wir's zu) ein wenig enge intellektuelle Kosmos der Bundesrepublik jener Zeit schon fast umrundet ist. Felsch beschreibt Rutschkys Techniken der Selbstfiktionalisierung, den Mentalitätswandel (damals rauchte und trank man noch in aller Unschuld) und auch den von Rutschky offenbar selbstmitleidlos festgehaltenen Abstieg von der Semiprominenz und dem Transatlantik-Glamour in die Existenz des prekären freien Autors. Und er zitiert immer mal wieder die so präzisen Beobachtungen Rutschkys: "Die Prägnanz, die ein Schweinekotelett annimmt, wenn Goetz es 'Gerät' nennt."