Die eidgenössische Tagsatzung, welche Ende des 14. Jahrhunderts entstand, ist für die spätmittelalterliche Eidgenossenschaft einziges überregionales Forum zur Konfliktregelung und zur Lösung von zwischenörtlichen Problemen. Für die ältere Forschung galt die Tagsatzung als staatliche Institution und demokratische Vorform heutiger Parlamente. Nach einer eingehende Diskussion dieser Mythenbildung des 19. Jahrhunderts, bedingt durch die nationale Geschichtsschreibung und durch die Edition der eidgenössischen Abschiede, werden in diesem Buch Gesandte, Boten und Stadtschreiber erstmals unter kommunikationshistorischen Aspekten als politische Akteure beschrieben, welche die Tagsatzungen immer wieder neu und oft ad hoc konstituierten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2005
In seiner Dissertation gelingt es Michael Jucker, einen neuen Blickwinkel auf die Tagsatzung des Spätmittelalters zu entwerfen, findet der "csc" zeichnende Rezensent. Jucker wende sich explizit gegen die "nachwirkende Mythenbildung des 19. Jahrhunderts", die in der Tagsatzung eine Vorform des demokratischen Parlaments sehen wollte, weshalb er die entsprechende Edition der Abschiede auch in aller Ausführlichkeit kritisiere. Verdienst des Autors sei zudem, so der Rezensent, die Untersuchung des Zusammenspiels von schriftlichem Protokoll und mündlicher Erörterung sowie der Entwicklung von deren verschiedenen Formen samt Hintergrund.
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