Fremde Vögte - immerwährende Neutralität - Sonderfall in Europa: Die nationalkonservative Politik bedient sich aus dem Setzkasten eidgenössischer Mythen, um aktuelle Identitätsstiftung und Europapolitik zu betreiben. Solche Schlagworte rücken 2015 noch stärker in den öffentlichen Fokus, wenn an die Schlachten von Morgarten 1315 und Marignano 1515 sowie an den Wiener Kongress von 1815 erinnert wird. Thomas Maissen blickt in 15 Kapiteln nüchtern auf die Schweizer Heldengeschichten, auf Bundesschwur und Réduit, auf humanitäre Traditionen und die Willensnation. Er erklärt, wie diese Schlagworte historiografisch entstanden sind und was wir heute über das reale geschichtliche Umfeld wissen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2015
Interessiert hat Rezensentin Franziska Loetz Thomas Meissens "Schweizer Heldengeschichten" gelesen, die in angenehm journalistischem Erzählton, wie sie meint, das Selbstverständnis der Schweiz als Sonderfall auf ihren historischen Gehalt überprüfen. In einer überzeugenden und lebendigen Mischung aus politischen Zitaten, historischen Quellen und aktuellen Forschungsergebnissen schaue Maissen mit entlarvendem Blick, aber ohne moralische Wertung hinter die Kulissen der popularisierten Heldengeschichten und fordere so zum Nachdenken auf, lobt die Kritikerin. Und auch wenn Loetz einen Blick auf die Verflechtungen der Schweiz mit den Nachbarländern oder auf den Ursprung der Heldengeschichten vermisst, trägt dieses Buch zur historischen Aufklärung bei und lohnt die Lektüre, schließt die Rezensentin.
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