Mit Beitr. von Josef Wiget. Ob auf der Schülerreise oder einem Familienausflug: Über die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer waren schon einmal auf dem Rütli - so das Resultat einer repräsentativen Umfrage. Das Rütli hat Züge einer nationalen Pilgerstätte und ist tief im kollektiven Bewusstsein der Schweiz verwurzelt. Über den Kern des Rütli-Phänomens, den Gründungsmythos, lässt sich kaum noch etwas Neues sagen. Wesentlich mehr hingegen gibt es über die Bedeutung und Nutzung des Rütlis sowie über seine Geschichte und ikonografische Tradition zu erzählen. Der renommierte Historiker Georg Kreis macht die hohe Wandelbarkeit dieses "mythischen Ortes" und dessen Abhängigkeit von seinem Gebrauch sichtbar. Der Band versammelt zudem erstmals in einer breiten Dokumentation Bildmotive des Rütlis.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2004
Bevor Hanno Helblings Besprechung zu einer kleinen Abhandlung über Geschichtsschreibung zwischen historischer Wahrheit und wechselnder Ideologie wird, wartet sie mit einen hübschen Satz auf: Bei der vorliegenden Studie handele es sich nämlich um "ein Buch, dem man nicht Unrecht tut, wenn man es die Geschichte einer Wiese nennt". Besagte Wiese, das Rütli, wo der "heimliche Bundesschwur" des eidgenössischen Gründungsmythos' stattfand (oder eben, da es ja ein Mythos ist, nicht stattfand) - besagte Wiese ist trotz aller kritischen, entmythologisierenden Geschichtsschreibung ein wichtiger Ort, meint der Autor - sie wurde zum historischen Schauplatz, indem sie von den Schweizern als einer genutzt wurde, egal ob da geschworen oder nur gemäht wurde. Darüber habe Georg Kreis ein vorzügliches Buch geschrieben: "Diskret und gerecht schildert und bebildert er die Geschichte eines Erinnerungswesens, das die Wandlungen des schweizerischen Selbstverständnisses an einem vielsagenden Beispiel erkennen lässt."
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