Herausgegeben von Rita Aldenhoff-Hübinger in Zusammenarbeit mit Thomas Gerhards und Sibylle Osswald-Bargende. Die über 200 Briefe dokumentieren die Zusammenhänge, in denen Max Weber während seiner juristischen Ausbildung, der Promotion und Habilitation, der Zeit als Privatdozent und außerordentlicher Professor in Berlin sowie nach der Berufung zum ordentlichen Professor der Nationalökonomie nach Freiburg im Breisgau stand. Sie zeigen ihn schwankend zwischen praktisch-beruflicher Karriere und akademischer Laufbahn. Sie dokumentieren die Herausbildung seiner politischen Urteilskraft in Auseinandersetzung mit zentralen Problemen des Kaiserreichs und dem älteren Honoratiorenliberalismus, der die Bedeutung der "sozialen Frage" unterschätzte. Max Weber engagierte sich im Verein für Socialpolitik, für den er die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland analysierte und so seinen Ruf als Nationalökonom begründete. Eine sachkundige Einleitung führt in die Kontexte der Briefe ein, Editorische Vorbemerkungen, Kommentare, Verzeichnisse und Register erschließen den Band.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.01.2018
Rezensent Gregor Schöllgen findet in den in zwei Bänden erschienenen Jugendbriefen Max Webers an seine Familie vor allem Privates. Für Schöllgen einerseits ermüdend, andererseits aufschlussreich, etwa, wenn die finanzielle Dauernotlage des Autors deutlich wird. Dass von Webers akademischer Zeit nur wenig Inhaltliches nachzulesen ist, stellt Schöllgen fest, zugleich erkennt er in der Korrespondenz aber schon den blitzgescheiten, gebildeten Menschen und auch dessen Hang zur Überheblichkeit und Streitlust. Das Bild einer spannungsgeladenen Persönlichkeit, das die Briefe im Zusammenklang mit dem Wissen um das zu der Zeit entstehende wissenschaftliche Werk Webers beim Leser entstehen lassen, scheint Schöllgen das eigentliche Verdienst der Ausgabe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2017
Stefan Breuer lernt in der neuen von Rita Aldenhoff-Hübinger herausgegebenen, laut Rezensent "vorzüglich" edierten Briefausgabe des Soziologen Max Weber einen Mann am Rand des finanziellen Abgrunds kennen. Webers Briefe an seine Verlobte machen die prekären "Laufbahnbedingungen" und Webers Seelenzustand für Breuer erkennbar. Lesenswert scheint dem Rezensenten der Band aber auch wegen der gebotenen Einblicke in Webers poltisches Denken. In den Briefen an seinen Onkel Hermann Baumgarten erscheint ihm der Soziologe als kritischer Liberaler und Nationalimperialist.
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