Herbert Giersch nimmt Abschied von der nationalen Ökonomie, vom Denken in politisch und historisch bestimmten Räumen. Er erläutert, warum die Kräfte der Globalisierung so bestimmend für die Weltwirtschaft geworden sind, daß von der Nationalökonomie nichts mehr übrigbleibt. Der Autor ist der Vordenker der Globalisierung und lehrt uns diese als Option des Optimismus; da er nicht in den Kategorien des "Wir" denkt, fürchtet er sich nicht vor "den anderen". Wirtschaften in der Großräumigkeit und die Arbeitsteilung der vielen Köpfe sieht er als Chance des erdumspannenden Lernens und des Fortschritts - und vollzieht so den Schritt vom Ökonomen zum Geschichtsphilosophen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2002
Karen Horn hält den Band mit Aufsätzen aus den Jahren 1986 bis 1998 des ehemaligen Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft Herbert Giersch für "eine Fundgrube". Der traditionellen Volkswirtschaft erteilt der Autor darin eine deutliche Absage, berichtet die Rezensentin. Begriffe wie "Nationalökonomie", "Volkswirtschaft" und selbst das Wort "Ökonomie" gehörten in Zeiten der Globalisierung in die Mottenkiste, referiert Horn Gierschs zentrale Behauptungen. Der denkt nämlich, so die Rezensentin, dass im globalen Wirtschaftszeitalter die Rede von der "Marktökonomik" treffender sei. Denn schließlich, behaupte Giersch, wolle heute jeder lieber für sich und in seinen Interessen wirtschaften, und das könne schließlich dank der Globalisierung jeder auch so, wie er möchte. Ob die Rezensentin diesen Überzeugungen im Ganzen zustimmt, lässt sie offen.
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