Matthias Bormuth

Die Verunglückten

Bachmann, Johnson, Meinhof, Améry
Cover: Die Verunglückten
Berenberg Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783946334620
Gebunden, 144 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Es ist etwas Unheimliches um diese vier Menschen, mit denen sich einige der vielleicht bedeutendsten Momente der deutschen Geschichte nach 1945 verbinden. Matthias Bormuth schaut hinter die politisch aufgeheizten Momente, in denen die deutschsprachige Öffentlichkeit in den Siebziger Jahren den Atem anhielt: bei Verhaftung und Selbstmord der begabten Publizistin Ulrike Meinhof; bei der Nachricht vom Flammentod einer der sensibelsten Autorinnen deutscher Sprache, der gefeierten Ingeborg Bachmann; beim Suizid von Jean Améry, den die Tatsache, dass er Auschwitz überlebt hatte, nicht leben ließ; und bei der Nachricht vom einsamen Tod des auf einer Insel in der Themsemündung dem Alkohol erlegenen Uwe Johnson. Was verbindet diese auf so unterschiedliche Weise zu Prominenz gelangten Stars, die ihr Leben nicht aushalten konnten?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.07.2020

Rezensent Wilhelm von Sternburg vollzieht Matthias Bormuths Entscheidung nach, in seine "nachdenklichen" Porträts Verunglückter auch Ulrike Meinhof aufzunehmen. Suizidale Züge und einen gewissen Rigorismus erkennt er gemeinsam mit dem Autor auch bei ihr, sodass von "säkularisierten Passionsgeschichten" durchaus die Rede sein kann, wie Sternburg glaubt. Berührend findet der Rezensent schließlich auch Bormuths Schilderung der Verzweiflung zum Tode bei Jean Amery oder auch bei Ingeborg Bachmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2020

Rezensent Hubert Spiegel denkt mit Matthias Bormuth vier Lebensläufe vom Tode her. Was die Protagonisten in Bormuths Buch verbindet, findet Spiegel schnell heraus: Es ist ihr Dasein als Intellektuelle und das Leiden an einer ungerechten Welt. Wie dies zu "künstlerischer Selbstviktimisierung" führen kann, zeigt der Autor dem Rezensenten "materiareich" und dicht am Beispiel von Ingeborg Bachmann oder Uwe Johnson, ohne hagiografisch oder verurteilend zu sein. Ein aufmerksameres Lektorat hätte Spiegel dem Buch gewünscht, gegen den manchmal etwas "umständlichen" Stil.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.02.2020

Rezensent Walter van Rossum ist sauer auf Matthias Bormuth. Dessen Studie hält er für verunglückt, insofern passt der Titel. Die Lebensläufe und die Tode von Jean Amery, Ingeborg Bachmann, Uwe Johnson und Ulrike Meinhof leitmotivisch mit dem Titelbegriff zu verklammern, findet der Rezensent indes anmaßend. Amerys Traumata, Johnsons Alkoholsucht, Meinhofs politische Gewalt, das sind  für ihn grundverschiedene Dinge, die das Etikett "verunglückt" nicht vertragen, meint er. Neues zu den vier Helden vermag der Autor nicht beizusteuern, so der Rezensent. Bormuths "verschwurbelte" Sprache zeuge von "Beweisdrang", aber nicht von Tiefgang.

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