Heinz Ludwig Arnold

Die Gruppe 47

Cover: Die Gruppe 47
Rowohlt Verlag, Reinbek 2004
ISBN 9783499506673
Taschenbuch, 160 Seiten, 8,50 EUR

Klappentext

"Jemand las etwas vor? Und dann fielen sie über ihn her, es blieb wenig übrig": So beschreibt Günter Grass eines der berühmt-berüchtigten Rituale der losen literarischen Vereinigung, die Hans Werner Richter ins Leben rief und die zwei Jahrzehnte lang mit ihren Debatten und Polemiken für Furore sorgte. Für die einen war sie die kritische Instanz der deutschen Gegenwartsliteratur und Geburtshelferin zahlloser bedeutender Texte, für andere wie Elfriede Jelinek eine "Sadisten-vereinigung, an der ich nicht einmal unter Todesdrohung teilgenommen hätte". Heinz Ludwig Arnolds Monographie nähert sich der Gruppe 47 in Form einer "Erzählung von Erinnerungen": Einladungspolitik, Rituale der Kritik, Triumphe und Verrisse, Freund- und Feindschaften, Eitelkeiten, Trinkgelage?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2005

Heinz Ludwig Arnold erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Verfall der "Gruppe 47" wie ein Drama, weshalb Walter Hinck seinen Bericht sehr lesenswert findet. Eine weitere literaturwissenschaftliche Untersuchung zum Thema wäre nämlich nicht von Nöten gewesen, findet er. Die Gruppe der vom Krieg gezeichneten Literaten als Held, der an seinen inneren Widersprüchen scheitert, so sieht Hinck Arnolds dramatisches Erzählmuster. Er hält ihm sehr zugute, dass er keine alten Legenden auffrischt, nicht den Mythos der Gruppe 47 fortschreibt, andererseits aber auch nicht auf Verschwörungstheorien verfällt. Die These des Literaturwissenschaftlers Klaus Briegleb, der eine antisemitische Verschwörung innerhalb der Gruppe witterte, finde vor Arnolds Augen keinen Bestand, so Hinck. Die Gruppe 47 profitierte, fasst er Arnolds Thesen zusammen, einerseits von den neugewonnenen demokratischen Freiheiten der jungen Bundesrepublik und andererseits ganz banal von der wirtschaftlichen Gunst der Stunde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2005

Überzeugend findet Rezensent Albert von Schirnding diese "vorbildlich um Objektivität bemühte" Geschichte der Gruppe 47. Zum einen verfüge Autor Heinz Ludwig Arnold über den "nötigen Abstand", zum anderen habe er einen wichtigen Teil seines Wissens aus erster Hand. So dokumentiere er etwa die Diskussion über ein Gedicht von Ingeborg Bachmann mit der Abschrift einer in seinem Besitz befindlichen Tonbandaufnahme. Schirnding bescheinigt Arnold ein "scharfes, geradezu mikroskopisches Augenmerk" im Blick auf die Veränderungen und Umbrüche der Gruppe 47, die sich bald von ihrem ursprünglichen Selbstverständnis entfernte und zu einer gigantischen Literaturbörse entwickelte. Schirnding hebt hervor, dass es Arnold nicht um die Darstellung der Literatur der Gruppe 47 geht, sondern um die Charakterisierung eines Phänomens im Deutschland der Nachkriegszeit.

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