Svenja Flaßpöhler

Mein Wille geschehe

Sterben in Zeiten der Freitodhilfe
Cover: Mein Wille geschehe
wjs verlag, Berlin 2007
ISBN 9783937989273
Gebunden, 158 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Kann es eine Gesellschaft verantworten, den Todeswunsch eines Menschen zu unterstützen? Gibt es eine Pflicht zu leben? Ab wann ist ein Leben möglicherweise nicht mehr lebenswert und wer darf das bestimmen? In der Schweiz gibt es mit "Exit" und "Dignitas" seit Jahren zwei Organisationen, die todeswillige Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten - und dies nicht nur, indem sie den Giftbecher bereitstellen. Mit dem Verweis auf die deutsche Vergangenheit hat sich Deutschland von derlei Debatten bislang weitgehend fern gehalten. Zwei Drittel der Deutschen sind jedoch laut einer Forsa-Umfrage der Meinung, ein schwerkranker Mensch solle über Zeitpunkt und Art seines Todes selbst bestimmen dürfen. Spätestens seit "Dignitas" eine Zweigstelle in Hannover eröffnet hat, ist das Thema des institutionalisierten, assistierten Freitods auch in Deutschland angekommen. In ihrem Buch nähert sich Svenja Flaßpöhler dem Suizid aus philosophischer und kulturgeschichtlicher Sicht, ohne dass es ihr dabei um eine Universalthese geht. Vielmehr stellt sie verschiedene Fragen, Standpunkte und Stimmen zum Phänomen Freitodhilfe in Beziehung zueinander und damit weiter zur Debatte. Sie schlägt den Bogen von der Antike, in der der Selbstmord als eine durchaus ehrbare Praxis angesehen wurde, hin zu zwei konkreten Menschen, bei deren begleitetem Sterben sie anwesend war. Minutiös beschreibt sie Atmosphäre und Verlauf des Ablebens, die Motive der Sterbebegleiter und die Gedanken und Gefühle von Angehörigen und Freunden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Gemischte Gefühle hat Petra Gehring bei der Lektüre dieses Bandes, den sie als Teil einer größeren Tendenz sieht, sich dem Thema Sterbehilfe mit etwas zu viel "Schaulust" zu nähern. Oder jedenfalls gestehe sich Svenja Flaßpöhler diese Schaulust nicht ein, obwohl sie ungescheut "Ich" sagt und dieses Ich auf der Grenze zwischen "informativem Sachbuch und packend angelegter Reportage" unterwegs sein lässt. Sie setzt sich dabei eher theoretisch mit der Geschichte des Selbstmords auseinander und wählt für den Beobachtungsteil die Sterbehilfepraktiken des Schweizer Vereins Exit e.V. Neben dem Unbehagen dem Band selbst gegenüber ist die Rezensentin auch über den Wandel der Einstellung zur Sterbehilfe als solcher etwas verwundert. So zeige sich, dass der einst  zutiefst intime Akt des Sterbens als etwas begriffen wird, das man nun also einem Dienstleister überantworten kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.06.2007

Rezensent Alex Rühle begrüßt Svenja Flaßpöhlers Buch über Sterbehilfe. Wohltuend scheint ihm die sachliche, umsichtige und bedächtigte Herangehensweise der Autorin an dieses in der Öffentlichkeit doch sehr emotional und kontrovers diskutierte Thema. Die Darstellung der Autorin zeichnet sich für ihn durch ihre Ausgewogenheit und ihre Offenheit aus. So findet er am Ende auch keine anmaßenden Antworten, sondern eine fein ausbalancierte Auseinandersetzung mit der ethischen Diskussion, bei der sich Flaßpöhler mit Fragen wie "Kann es eine Gesellschaft verantworten, den Todeswunsch eines Menschen zu unterstützen?" oder "Wann hat man das Recht, seinem Leben ein Ende zu setzen?" befasst. Flaßpöhler hat auch zwei Freitodbegleitungen als Augenzeugin erlebt, die sie beschreibt. Schließlich lobt Rühle an der Darstellung die gelungene Verbindung von Recherche und Reflexion.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.05.2007

Besonders beeindruckt scheint Rezensentin Ulrike Baureithel nicht von diesem Buch. Die abschließenden Reportagen über zwei Freitodbegleitungen findet die Rezensentin zu "menschelnd". Und im Hauptteil beschreibe Svenja Flaßpöhler das Für und Wider der Sterbehilfe so ausgewogen, dass ihre Argumentation im Vagen bleibe. Eine eigene Meinung habe sie nur zu einem Punkt: Mit zunehmendem Kostendruck könnte aus dem Recht zum Freitod eine Pflicht werden.