Martina Hefter

Zurück auf Los

Roman
Cover: Zurück auf Los
Wallstein Verlag, Göttingen 2005
ISBN 9783892448419
Gebunden, 136 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Der Roman handelt in zwölf Kapiteln von der "Nacht, in der Raimund fortgehen wird", und erzählt wird er von der verlassenen Frau. Aber ebensogut könnte man sagen, dass die Erzählerin Raimund verlassen hat: Genau genommen ist sie aufgebrochen, um in dieser Nacht an der Rezeption eines von ihrer Mutter geführten Hotels auszuhelfen. Von dort sieht sie durch die Dunkelheit auf der anderen Seite des Tals ihr erleuchtetes Haus, in dem, wie sie weiß, gepackt wird.
Martina Hefter wirft Erinnerungsnetze aus, tastet sich an den Weltfasern entlang, verknüpft sie zu einem "Nachtnylon", das "sich selbst jeden Tag neu an die Beschenkten verteilt, an uns, an die in der Nacht Wachen, so hängen wir alle zusammen, im Gewebe des Satzes, im Satznylon, das sich hebt und senkt, bei jeder Bewegung von innen." Lang zurückliegende Zeiten und weit voneinander entfernte Orte können so im Erzählen zusammengebracht werden, Geschichten wie die von der Frau, deren Mann spurlos nach Toronto verschwand, von der Fernsehserie "Die Waltons", von Heike aus Crimmitschau, vom mecklenburgischen Quasow, woher die Familie eigentlich stammt, und vom KdF-Urlaub der Großmutter 1937, dessen Folgen das Familienschicksal zumindest für zwei Generationen in die Alpen verlagert haben. Und natürlich mischen sich ins Erzählen immer wieder Erinnerungen an Raimund.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2005

Martin Krumbholz zeigt sich als Anhänger von Martina Hefters Prosa der "Reduktion". Der Roman ist der nächtliche innere Monolog einer Frau, die am Morgen vielleicht verlassen werden wird, doch er ist nicht stur auf die Realität gerichtet, sondern auf die Sprache, die Realität schafft. "In der Sprache, im Benutzen von Wörtern und im prüfenden, experimentellen Umgang mit ihnen, liegen die Möglichkeiten des Lebens", und insofern es das vorführt, schreibt Krumbholz, ist Hefters Roman "ein sprachskeptisches Buch, das zugleich brillant mit der Sprache operiert". Und zwar mit leichtfüßiger Verve und Humor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2005

Eva-Maria Magels Reaktion auf den zweiten Roman von Martina Hefter ist zwiespältig. Es geht um eine Ich-Erzählerin, die Nachtdienst an der Rezeption eines Alpenhotels versieht und sich ihren Gedanken und Fantasien hingibt, während auf der anderen Seite des Tals ihr Partner gerade dabei ist, seine Sachen zu packen und sie zu verlassen. Magel staunt über die "Statik" der Hauptfigur, die sich nurmehr in Gedanken bewegt und deren Reflexionen über die Sprache "paradoxerweise" einer gewissen Sprachlosigkeit gegenüber stehen. In dem Roman, der, wie die Rezensentin findet, kaum mehr in die Gattungsbezeichnung passt, "prallen Banalitäten der Alltagssprache auf eine spröde Poesie". Und so scheint es Magel, als müsse sich der Leser die verdichteten, stellenweise "überaus gelungenen" Beschreibungen der Protagonistin erst dadurch "verdienen", indem er sich durch alltagssprachliche oder technokratische Wendungen hindurcharbeitet. Hefter hat eine durchaus "gegenwärtige und wahrhaftige" Geschichte geschrieben, aber leider ist sie mitunter ziemlich "sperrig und oft recht fleischlos", beklagt die Rezensentin, die ein bisschen mehr Erzählung und weniger Reflexion in diesem Roman durchaus wünschenswert gefunden hätte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

Als "kleines Schmuckstück" wertet Silvia Hess den zweiten Roman von Martina Hefter, der sich gut im Bücherregal machen würde. Ein missverständliches Kompliment, wäre es nicht eine Anspielung auf die vielen Bücher, die im Buch eine größere Rolle spielen, dort haufenweise, aber unsortiert herumliegen und einen "Schutzwall gegen das Vergessen" bilden. Vergessen, Gedächtnis, Erinnerung - das sind die Hauptthemen des Romans, der versuche, mit erinnerten und erfundenen Sätzen, "das Leben zu beglaubigen". Hefters Sprache ist dabei rund und klug, findet Hess, wirkt frisch und sei doch trickreich, kurz: "Zurück auf Los" hat sie überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2005

In Martina Hefters Sprache hat der Rezensent Volker Breidecker etwas sehr Spezielles ausgemacht: die choreografische Qualität des Tanzes. In der Tat sei ihre Geschichte um die Trennung eines Paares, genauer gesagt um die Nacht vor der vorhersehbaren und vorhergesehenen Trennung, durchwirkt von einem dichten, "reichen, überreichen" Netz von "komplexen Bildern". Das ist durchaus als Kompliment gemeint, wie sich herausstellt, denn der Rezensent wird nicht müde, auf die "phänomenale Sprachbegabung" hinzuweisen, mit der Hefter ihre Sätze "durchfeilt" und ihnen eine "feinnervige Struktur" verleiht, in der sich Weite und Konzentration abwechseln. Somit sei es auch die Sprache, die neben Raum und Zeit dazu beitrage, in der schmerzhaften Trennungssituation eine "geregelte und beinahe abstrakte Ordnung" zu schaffen. Dabei erscheinen die starken Affekte - mit einigen "merkwürdig sentimentalen" Aussetzern - seltsam gezügelt und wirken dadurch intensiver, wie der Rezensent lobend bemerkt. Martina Hefter hat sich eindeutig Applaus verdient, so sein Fazit. 
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005

Nachdem Martina Hefters Erstling "Junge Hunde" derart gepriesen wurde und zudem eine gewisse Übersättigung an traurigen Geschichten über "Thirtysomethings" herrscht, würde es ihr zweiter Roman naturgemäß schwer haben, spekuliert Sascha Michel. Umso begeisterter reagiert er, weil dieses Buch "all diesen Ballast scheinbar mühelos abschüttelt". Die Geschichte handelt von einer Frau um die Dreißig, die an der Rezeption eines Alpenhotels Nachtdienst versieht, während im Haus gegenüber ihr Lebensgefährte sich bereit macht, sie zu verlassen. Alles was erzählt wird, spielt sich ausschließlich im Kopf der Protagonistin ab, deren Gedanken und Reflexionen sich in dieser Nacht um Trennung und Verlust drehen. Eine weitere dieser "melancholischen Geschichten", notiert der Rezensent, für den der entscheidende Unterschied zu anderen Neuerscheinungen dieser Art jedoch in der "poetologischen Raffinesse" liegt. In dieser Trennungsgeschichte geht es auch um die "Textproduktion selber", beobachtet Michel. Für die Hauptfigur sei das Geschichtenausdenken - sprich das Schreiben - gleichbedeutend mit dem Leben selbst. Nicht immer umgehe die Autorin dabei aber die Gefahr, das "Netz der poetologischen Metaphern allzu dicht zu knüpfen", gibt der Rezensent zu. Insgesamt aber überwiegt der "Eindruck spielerischer Leichtigkeit", was laut Michel am perfekten Gleichgewicht von "Reflexion und Konkretion" liegt. Zudem bleibt dieser "kluge" Roman nicht bei den "Verlustängsten" der Protagonistin stehen, sondern wendet sie in ein "positives ?Alles ist möglich'", freut sich der Rezensent abschließend.
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