Ulrike Kolb

Yoram

Roman
Cover: Yoram
Wallstein Verlag, Göttingen 2009
ISBN 9783835305595
Gebunden, 296 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Zärtlich und melancholisch blickt Carla auf ihre Ehe zurück, die als Amour fou in Israel beginnt. So stark und impulsiv die Gefühle Carla und Yoram verbinden, so schmerzhaft schlagen ihnen bald Skepsis und Zweifel entgegen. Kritisch beäugen seine israelischen Freunde die junge Deutsche, und auch Yorams Mutter Aliza ist wenig begeistert von der Wahl ihres Sohnes. In Deutschland geht es dem jungen Paar kaum anders: Die viel und stolz zitierte "Aufarbeitung der Vergangenheit" scheint an der polierten Oberfläche der Realität abgeperlt zu sein. Aber die Gefährdungen des Glücks kommen nicht nur von außen. Yoram, dem leidenschaftlichen Architekten, gelingt es nicht immer, seine Gefühle von den Albträumen der Kindheit zu lösen. Und auch die drei Frauen in seinem Leben, Aliza, Carla und die Tochter Vered, haben ihre eigenen Erinnerungen, Ängste und Hoffnungen. Am Ende schlägt Vered entschieden den Bogen in die Zukunft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2010

Eigentlich passiert in dem neuen Roman "Yoram" von Ulrike Kolb gar nicht so viel, findet Martin Zingg. Trotzdem ist der Rezensent angetan von der "schmucklosen, aber durchaus reflektierten und anspielungsgesättigten Sprache" der Autorin, die die Geschichte einer komplizierten Liebe zwischen der deutschen Christin Carla und dem jüdischen Israeli Yoram erzählt. Eine schwierige Schwiegermutter und die Bürden der nationalsozialistischen Vergangenheit gestalten das Leben des Paares nicht einfach, wie Zingg berichtet. Am besten gefällt ihm der "fast beiläufige Kammerton", in dem der Roman aus Carlas Sicht mit großer Gelassenheit erzählt wird, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2009

Als "Beschwörung einer schöpferischen Kraft der Sprache" fasst Rezensentin Beate Tröger den Erzählstil Ulrike Kolbs knapp zusammen und widmet sich ausführlicher der Handlung. Beschrieben wird, so Tröger, die Beziehung zwischen der Deutschen Carla und dem Israeli Yoram. Beide haben sich in einem Kibbuz kennengelernt und sind dann nach Frankfurt gezogen. Shoah und Nationalsozialismus wirken, so Tröger, durch beider Familiengeschichten in die Beziehung. Und durch literarische Anspielungen, etwa auf Texte von Ingeborg Bachmann, Paul Celan oder Art Spiegelman, webt Kolb auch noch die Reflexionen auf die Shoah hinein, erklärt die sichtlich beeindruckte Rezensentin. In der Figur der Tochter des Paars, die die gegensätzliche Familiengeschichte verbindet, sieht Rezensentin Tröger am Ende des Romans noch ein "utopisches Moment" aufscheinen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.08.2009

Jörg Plath hat diesen Roman von Ulrike Kolb mit Sympathie, aber letztlich nicht überzeugt gelesen. Die Autorin hat sich mit dieser Liebesgeschichte im Schatten des Holocaust offenbar viel zu viel aufgeladen, zumal sich für den Rezensent zeigt, dass Kolb stark darin ist, zarte Gefühle und eine intensive Liebe zu schildern. Aber nicht Konflikte. Sie erzählt von der Liebe zwischen Carla, Tochter aus einem Hause der Täter, und Yoram, Sohn von zwischen Deutschland und Israel hin- und hergerissenen Holocaust-Überlebenden. Doch die sich aus dieser Konstellation ergebenden Konflikte erwähnt Kolb nur, sie sind ihr Thema, aber sie erzählt sie nicht. Auch greift sie zu Plaths Unglück mitunter auf recht abgegriffene Urteile zurück ("Sie waren immer noch da, die Verbrecher"), auch wenn sie die meisten Klischees vermeide.