Kai Weyand

Am Dienstag stürzen die Neubauten ein

Erzählungen
Cover: Am Dienstag stürzen die Neubauten ein
Wallstein Verlag, Göttingen 2005
ISBN 9783892449287
Gebunden, 118 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Kai Weyands Helden sind schräge Vögel, denen fast in jeder Lebenslage irgendein Film einfällt, in dem sie Muster für ihre eigene Situation entdecken, natürlich mit einer Heldenrolle für sich selbst. Der Gesichtsausdruck wird zum Beispiel souverän auf "Mach dir um mich keine Sorgen, Kleines!" getrimmt, aber das Vertrackte ist: Das Gegenüber kennt all diese Drehbücher und die Rollenverteilungen auch, und mitunter wechselt es mit der Antwort gar in eine andere Produktion, so daß man nie ganz sicher sein kann, ob etwas so gemeint ist, wie es gesagt wird. Ohnehin kaschieren die Zitate und Anspielungen ja nur, daß es gewaltige Bruchstellen gibt, in denen hemmungslos romantische Sehnsüchte sichtbar werden, gerade wenn Krisen in den Liebesgeschichten nicht mehr einfach durch Mißverständnisse erklärbar sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006

"Sehr einfallsreich", diese Geschichten über das Beenden einer Liebe, die Erinnerungen an die Großmutter oder das Schicksal berufsunfähiger Pianisten, findet Meike Fessmann. In seinem Debütband erzähle Kai Weyand elf kleine Stücke "aus dem Stand" heraus. Weyands Figuren haben "kleine Obsessionen" und finden sich oftmals in Kneipen wieder. Dort werden sie in cineastischer Manier gegenüber gestellt, in "Nahaufname" zueinander gebracht, und halten Dialoge. Das komme zwar oft "leichtgewichtig" daher, aber auch voll von subtiler Komik, lobt die Rezensentin. An einigen Stellen wallt dieser unterschwellige Humor als "Stand-up-Comedy" hoch, was Fessmann aber nicht zu stören scheint. Sie preist lieber die Titelgeschichte, in der der Autor "richtig gut" sei und aus der Leichtigkeit auch Tiefe entwickle.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005

Den Titel von Kai Weyands Buch findet Rezensent Gerrit Bartels einfach "großartig". Die Geschichte der am Dienstag einstürzenden Neubauten ist für ihn auch die "schönste" in Weyands Erzählband - eine "Geschichte über das Geschichtenerzählen" nämlich, die an "russische Matrjoschkas" erinnert, weil sich immer wieder neue Gedanken herausschälen. Auch an den anderen Erzählungen sei "nichts auszusetzen", meint der Kritiker. "Allesamt auf den Punkt gebracht" findet er sie und "motivisch fein ausgearbeitet". Der Autor richtet seinen Blick auf Menschen, denen es schwer fällt, zwischen Realität und Bilderwelt zu unterscheiden. Er beschreibt zum Beispiel ein Paar, das das Gefühl hat, seine Liebe aus Film und Fernsehen abzukupfern und einen Mann, der feststellt, nicht eine Frau, sondern deren Handtasche zu lieben. Den ersten Preis beim "Open Mike" hat Weyand 2002 nach Ansicht des Rezensenten völlig zu Recht gewonnen - dass bis zu seinem Autorendebüt drei Jahre vergangen sind, kann ihn angesichts dieses Buchs aber nur verwundern.
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