"Carl Schmitt ist in meiner und ich bin in seiner Biographie unvermeidlich", notierte Ernst Jünger am 18. August 1995. Die enge Freundschaft, vor allem aber die sachliche Differenz beider ist bislang nicht hinreichend erforscht. Die Freundschaft begann im Jahre 1930 mit einem ersten Gespräch, bei dem es sofort brisant wurde. Es ging um nichts weniger als das Erkennen der "Lage" und die anspruchsvolle moralische Entscheidung - für Jünger wie Schmitt ein leitmotivisches Thema, das der eine mit mythischen Annäherungen, der andere mit einem konkreten Situationsdenken anging. Doch beide müssen schließlich einräumen, die Lage nicht wirklich erkennen zu können. Ihre Positionen waren schwer vereinbar und hatten sich zu bewähren in einem Bürgerkrieg, der verdeckt geführt wurde und quer zu den offiziellen Fronten verlief. Er spitzte sich für Ernst Jünger wie für Carl Schmitt zur tödlichen Bedrohung zu und forderte Jüngers Sohn als Opfer.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.09.2008
Alexander Kissler hat neben dem Briefwechsel Ernst Jüngers mit Margret Boveri auch diesen Essay mit großem Interesse gelesen. Im Verhältnis von Carl Schmitt und Ernst Jünger konzentriert sich der Germanist Martin Tielke auf die Zeit des Nationalsozialismus und stellt die Frage, "wie privat eine politische Existenz sein darf" ins Zentrum seiner Untersuchung. Dass er diese sowohl für Schmitt als auch für Jünger heikle Frage in den Mittelpunkt stellt und es bei aller Kritik weder an Sympathie noch an Behutsamkeit fehlen lässt, gefällt dem Rezensenten. Besonders lobt Kissler, dass es dem Autor gelingt, die Differenzen klar herauszuarbeiten: Während Schmitt in der inneren Emigration Wirklichkeitsflucht sah und stets ein Absinken ins rein Private fürchtete, wähnte Jünger sein privates Leben einer "verkehrten Öffentlichkeit" überlegen.
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