Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Schmitz. Es ist Liebe auf den ersten Blick, die Golo Thomsen wie ein Blitz trifft, als er Hannah Doll begegnet. Was wie eine oft erzählte Liebesgeschichte beginnt, nimmt einen ungewohnten Verlauf - denn Schauplatz ist Auschwitz, Thomsen arbeitet für die Buna-Werke, und Hannah ist die Frau des Lagerkommandanten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.10.2015

Eine richtig gute Auschwitz-Satire hätte sich Stefan Mahlke durchaus gefallen lassen, doch Martin Amis zieht seine Sache nicht bis zum bitteren Ende durch und das lässt diesen Roman in den Augen des Rezensenten nicht moralische, sondern literarisch total misslingen: In der Person des überforderten KZ-Kommandanten sieht Mahlke noch die bösesten und stärksten Passagen. Doch wenn der SS-Verbindungsoffizier Golo Thomsen durch die Kraft der Liebe wieder auf den richtigen Weg, sieht der Rezensent keinen Hinweis auf Ironie. Und wie der jüdische Häftling Szmul, "von allen traurigen Männern der traurigste", einen ganz neuen Ton in den Roman bringt, das zieht laut Mahlke der Satire endgültig den Stecker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2015

Rezensent Hubert Spiegel sieht das Hauptproblem des umstrittenen Romans von Martin Amis darin, dass es allem, was wir über Auschwitz wissen, nichts hinzufügt, bei allem Ehrgeiz des Autors nicht, der sich auf Primo Levi beruft, so Spiegel. Das Unbehagen beim Lesen einer in den Lageralltag von Auschwitz eingebetteten Liebesgeschichte zwischen einem Nazi und der Frau des Lagerkommandanten, wird der Rezensent nicht los. Auch wenn Amis die Gleichzeitigkeit von Wahnsinn und Kontrolle im Lager, die Logistik des Todes, die Routinen und Rivalitäten historisch genau zu schildern vermag, am Ende bleiben Figuren und Sprache klischeebeladen, meint Spiegel, und der Humor des Autors in diesem Zusammenhang mindestens gewöhnungsbedürftig.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.09.2015

Rezensentin Franziska Augstein findet den umstrittenen neuen Roman von Martin Amis durchaus lesenswert, immerhin schreibt der Autor "grandios gut", erklärt sie. Allerdings hat Augstein auch Einwände. Vieles in dem Text über das KZ-System, über einen SS-Obersturmbannführer, einen Lagerkommandanten und einen Häftling scheint ihr unplausibel. Die Eloquenz des Häftlings etwa findet sie unglaubwürdig bis peinlich. Dass Amis höchst makabre Szenen schildert, scheint für Augstein wiederum in Ordnung, für sie lediglich eine Überhöhung des Lageralltags. Was andere Frivolität nennen, ist für Augstein intelligenter britischer Humor. Wichtiger scheint der Rezensentin da schon die Feststellung, dass die Opfer der NS-Mordmaschinerie sicher keine stilisierbare "Agenda" hatten, wie Amis mit seinem Roman glauben machen könnte. Letzteres dient doch wohl eher der Hererzählung einer Geschichte, vermutet die Rezensentin milde.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.09.2015

Wenn einer einen Roman über Auschwitz schreibt, wiegt der "Verdacht auf Ausbeutung des Stoffs zu Unterhaltungszwecken" schwer, weiß Jens Jessen, der sich deshalb fragt, ob aus Martin Amis "Interessengebiet" doch etwas zu lernen oder zu erfahren ist. Für den Rezensenten lautet die Antwort schlicht: Nein. Amis erzählt aus der Innenperspektive der Täter Goethes "Werther" in Auschwitz nach und lässt am Ende die Liebe des jungen Offiziers und der Lagerkommandanten-Gattin an den Umständen ihres Entstehens scheitern, fasst Jessen zusammen. Während die Einfühlung in die Täterperspektive literarisch interessant sein kann, findet der Rezensent die Inszenierung einer tragischen Liebe zwischen Tätern, den Auschwitz zum reichlich harmlosen Verhängnis wird, nur noch abgeschmackt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.09.2015

Judith von Sternburg ist sich nicht sicher, ob der Hanser Verlag richtig gehandelt hat, als er Martin Amis' neuen Roman nicht veröffentlichte. Dass der Autor seinen Stoff kennt (es geht um eine laut Sternburg eher billig besetzte Auschwitz-Geschichte und eine schlüpfrige Liebesgeschichte) weiß die Rezensentin, seine Übertreibungshumorroutine kennt sie gleichfalls. Lässig scheint ihr beides hier zur Geltung gebracht, satirisch glänzend mitunter, wenn Amis gekonnt die Dritte-Reich-Ideologie "verhohnepiepelt". Dann wieder scheint ihr der Plot allzu behäbig entwickelt, die Figurenzeichnung kolportagehaft und was nicht verharmlost werden soll, doch allzu harmlos, ja unkontrolliert erzählt und konstruiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2015

Marion Löhndorf macht nicht viele Worte über den neuen, bei uns auf Umwegen erscheinenden Roman von Martin Amis. Mit den Themen Nationalsozialismus und Holocaust scheint ihr der Autor sein Steckenpferd zu reiten, auch wenn es in der Belletristik nach wie vor riskante Themen sind, wie sie feststellt. Unmittelbar scheint ihr der Schrecken in diesem Buch, das laut Löhndorf eine Liebesgeschichte im KZ erzählt. Den sardonischen Ton des Originals trifft die Übersetzung gut, findet Löhndorf.