Malin Schwerdtfeger

Cafe Saratoga

Roman
Cover: Cafe Saratoga
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2001
ISBN 9783462030181
Gebunden, 288 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Für die beiden Schwestern Sonja und Majka, zwei Mädchen in der Pubertät, ist die polnische Halbinsel Hel in ihren Sommerurlauben ein Ort der Abenteuer und Erweckungen, besonders das Cafe Saratoga, das ihr Vater von der steinalten Tante Apolonia übernimmt. Das Meer, die eigenen Körper, die Männer, die Landschaft werden entdeckt, mit Sorge, Lust und Schrecken beobachtet, die Komik und das Verhängnis der Liebe frühzeitig registriert. Aber was für die Mädchen Hel ist, ist für den Vater Westdeutschland. Eines Tages, die Familie hat deutsche Vorfahren, kann Tata ausreisen. Die ganze Familie, auch die schimpfend-kränkelnde Mutter Lilka, folgt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2001

Obwohl Malin Schwerdtfeger für ihr Romandebüt ein "ziemlich strapaziertes Thema", die Pubertät, wählt, ist die Geschichte der polnischen Aussiedlerfamilie für die Rezensentin Eva-Elisabeth Fischer ein durchweg gelungener Roman. Die Familie verlässt ihr Lebenszentrum in der Danziger Bucht, das von dem Vater betriebene Café Saratoga, einen "schäbigen Bumms mit verkommener Klientel". Der Vater will seine Töchter in Deutschland aufwachsen lassen, wo man noch so richtig "biznes" machen kann, erzählt Fischer. Zu den Freuden und Leiden der Pubertät trete das Unglück und die Desillusionierung der Entwurzelten. Dafür findet die Schriftstellerin lebensnahe Bilder, lobt Fischer und nennt ein Beispiel: Das Erwachsenwerden als Wechsel der Perspektive beschreibe Schwerdtfeger, indem sie die Protagonistin an ihrem Vater nicht mehr das "riesige Gemächt" sehen lässt, sondern einen "geschrumpften bläulichen Wurm".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Nur ein halbes Jahr nach "Leichte Mädchen", dem gefeierten ersten Erzählband der jungen Autorin Malin Schwerdtfeger, liegt gleich ein Roman auf dem Tisch des soeben erst köstlich gespeist habenden Rezensenten Hanns-Joseph Ortheil - und der ist vorerst noch satt. Immerhin ein sympathisches Buch, meint er, aber die Form - von der "Großform" Roman ist die Rede - schadet seiner Meinung nach Schwerdtfegers leichtfüßigem, pointenreichem Erzählstil. Für seine Behauptung spricht, dass die Autorin offensichtlich eine ihrer Erzählungen aus "Leichte Mädchen" ausgebaut - oder aufgeblasen - hat. Wie man's nimmt: Ortheil nimmt's nicht übel (Motto: älterer Kollege unterstützt, kritisiert und ermuntert junge angehende Kollegin), findet es aber bedauerlich, dass sich Schwerdtfeger so schnell zu dem Roman hat hinreißen lassen, der zunehmend etwas Träges und Redundantes bekomme. Väterlicher Rat: zu einer eigenen Romanform finden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Thomas E. Schmidt ist sehr angetan von diesem Debütroman, der von polnischen Spätaussiedlern erzählt, deren sozialer Abstieg mit der Geschichte des Erwachsenwerdens der beiden Töchter verknüpft wird. Schmidt ist begeistert von der "erzählerischen Scharfsicht und Lakonie" des Autors und preist den "weiblichen Humor" - was immer er auch genau darunter verstehen mag - der Autorin, den er weit eher bei älteren, reiferen Schriftstellerinnen erwartet hätte. Er lobt die Pointensicherheit und die klare Struktur des Romans und rühmt als besonderes Verdienst des Buches, dass hinter der "bittersüßen" Geschichte des Erwachsenwerdens der "Zeitroman" hervortrete.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.08.2001

Eine spannende junge Autorin ist Malin Schwerdtfeger nach Meinung von Jan Brandt, des Rezensenten ihres Buches Café Saratoga". Die Behandlung der Themen aus ihrem ersten Buch "Leichte Mädchen" hat die Autorin nach Ansicht von Brandt in ihrem Roman "Café Saratoga" zur Perfektion gebracht. Ihren Erzählstil nennt der Rezensent subjektiv, Malin Schwerdtfeger habe eine "eigene, subjektive Sprache", die eine gekonnte "Balance halte zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit, Witz und Gefühl" und sich kaum in unnötigen Spielereien verliere. Nur wenn die Autorin historische Verweise in ihren Roman einbaut, funktioniert das nach Brandts Meinung nicht so richtig - das wirke in ihrer subjektiven Erzählweise allzu "bemüht und deplaziert".