1941 lernt die 16-jährige Erika ihre große Liebe kennen: Der Krieg hat den sanften und feinsinnigen Literaturliebhaber Hellmut Anschütz nach Fürstenwalde verschlagen. Doch bald wird der verheiratete Hellmut nach Zamosc in Polen versetzt, wo er innerlich zerbricht. Ihre Liebe bleibt unerfüllt und eröffnet einen Reigen der verpassten Chancen in einer aus den Fugen geratenen Welt. Hellmut verlässt Frau und Sohn, heiratet wenig später erneut und sorgt liebevoll für seinen Adoptivsohn Hans, an dem er seine Taten wieder gutmachen will. Hans wird ein begnadeter Zeichner, der leibliche Sohn Hellmuts sein Galerist. Keiner der Beteiligten ahnt etwas vom Zusammenhang ihrer Lebensgeschichten. Erst der dritten Generation gelingt es, die eigenen Sehnsüchte zu erfüllen, aus dem Reigen auszuscheren und den Teufelskreis der Schuld zu durchbrechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2004
Nach zwei anderen "polnischen" Büchern, in denen Michael Zeller bereits "meisterlich beobachtete, prägnante Bestandsaufnahmen der polnischen Realität" und "exakte Protokolle menschlicher Begegnungen" geliefert habe, schreibt Marta Kijowska, habe der Autor in "Reise nach Samosch" seinen Stil "zur Perfektion entwickelt". Fast so, als ob Zeller die vorangehenden Bücher als Fingerübungen gebraucht habe, will es Kijowska nun scheinen, um zu dieser "harmonischen Erzählweise", diesem "reifen Umgang mit dem Thema", dieser "präzisen Sprache" zu finden - und um "sein wohl bisher bestes Buch zu schreiben", wie die Rezensentin lobt. Gefallen hat Marta Kijowska vor allem die "klare Form" des Romans: fünf Teile, die alle als "Ich-Monologe" angelegt sind, und in denen jeweils eine andere Figur das Wort ergreift. Drei Angehörige derselben Familie, aber verschiedener Generationen, sowie die Jugendliebe des Vaters und ein Freund der Familie sind es, so erfährt man weiter, die so dann, exaltiert und in Form eines Kriegstagebuchs etwa oder "sachlich-cool" von folgenschweren Begegnungen in und mit Polen erzählen.
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