Lutz Raphael

Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme

Theorie, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart
Cover: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406494727
Paperback, 288 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Dieser Band bietet eine grundlegende Einführung in die Konzepte, Probleme und Gegenstände der Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Er nimmt dabei die großen internationalen Forschungstendenzen wie den Aufstieg der Wirtschafts- und Sozialgeschichte oder die Entstehung der Mentalitätenforschung ebenso in den Blick wie den Einfluss der Geschichte des 20. Jahrhunderts auf die Entwicklung der modernen Geschichtswissenschaft - insbesondere in der Auseinandersetzung mit den Extremen von links und rechts.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.01.2004

Als einen großen Gewinn betrachtet Stefan-Ludwig Hoffmann diese Geschichte der Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert von Lutz Raphael, und zwar nicht nur für Studierende. Geschickt, so lobt der Rezensent, ordnet der Autor die einzelnen nationalhistorischen en Schulen und Lager, die Theorien und Methoden - von der Volksgeschichte, über die Annales-Schule, die Sozialgeschichte bis zur neueren Kulturgeschichte - und zeigt so überraschende Parallelen, Verknüpfungen oder Transfers. Mit der Historisierung der Historie verlässt Raphael in Hoffmanns Augen aber auch das "Schlachtfeld des Ringens um die richtige Deutung der nationalen Geschichte", auf dem, so der Rezensent, Theorien oder Methoden oft nur als "Faustkeil für die nächste geschichtspolitische Auseinandersetzung dienten". Als neuesten Trend hält der Rezensent natürlich noch die Internationalisierung der Geschichtswissenschaft fest, die der Autor unter anderem am Beispiel einer übergreifenden Genozid-Forschung erkennen will.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.12.2003

Allen Studierenden und Geschichtsinteressierten kann Peter Schöttler den "ausgezeichneten, problemorientierten Einstieg" in die Welt der internationalen Geschichtswissenschaft nur empfehlen. Zum ersten Mal werde hier der Versuch unternommen, die verschiedenen Strömungen der Historikerzunft der vergangenen hundert Jahre zu bilanzieren, und zwar international. Die gebotene Kürze schaffe allerdings auch ein paar Probleme, bemerkt Schöttler. So treten die realen Historiker hinter die Schulen zurück, sie werden "allenfalls erwähnt", auch die Miniaturen über herausragende Bücher am Ende des Bandes können nach Meinung des Rezensenten da keine Abhilfe schaffen, sie bleiben "blass". Außenseiter und Frauen fallen ganz weg. Trotz all dieser Mängel bleibt der Band für den Rezensenten aber eine "bislang einzigartige Überblicksdarstellung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

"Nicht weniger als die ganze Welt" nimmt laut Rezensent Frank Ebbinghaus dieses Werk "auf seine schmalen Schultern". Darin unternehme der Geschichtswissenschaftler Lutz Raphael den Versuch, eine "Historiografiegeschichte des 20. Jahrhundert" zu erstellen, die der nationalen Historiografie und ihrer globalen Vernetzung gleichermaßen gerecht wird. Während sich die Ereignisse sowohl in der Welt als auch in der Historiografie überschlagen, behält Raphael einen "klaren Kopf", stellt Ebbinghaus erfreut fest. Aus der Satellitenperspektive erscheine zwar manches ein wenig zu flach - etwa die "Schnittstelle zwischen Politik und Geschichtswissenschaften" -, doch bringe dies ein solch umfassender und zugleich "straffer" Ansatz unweigerlich mit sich. Besonders gelungen findet der Rezensent einige vorzügliche Miniaturen - unter anderem zu der "Volksgeschichte" und zu den "Annales" -, "interessante Seitenblicke" auf amerikanische und ostasiatische Forschungsarbeiten und Raphaels Präsentation einiger Klassiker der Geschichtsschreibung.
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