Paul Nolte

Hans-Ulrich Wehler

Historiker und Zeitgenosse
Cover: Hans-Ulrich Wehler
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406682940
Gebunden, 208 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Hans-Ulrich Wehler war einer der einflussreichsten und produktivsten Historiker der Bundesrepublik - und er war ein ebenso brillanter wie scharfzüngiger Kommentator des Zeitgeschehens. Seine große Deutsche Gesellschaftsgeschichte, das Hauptwerk der "Bielefelder Schule", ist zur Kathedrale einer ganzen Generation von Sozialwissenschaftlern geworden; noch in seinem letzten Buch trat er vehement der zunehmenden sozialen Ungleichheit entgegen. Paul Nolte portraitiert in diesem Buch den Historiker Hans-Ulrich Wehler und sein Werk. In den sechziger Jahren wollte eine junge Generation von Historikern und Sozialwissenschaftlern frischen Wind in die erstarrte Disziplin bringen. Doch es ging ihr dabei nicht allein um methodische Fragen, sondern auch um die 'linke' Veränderung der Gesellschaft und - nach der Erfahrung des Nationalsozialismus - um die Verankerung der Deutschen in der westlichen Demokratie. Das neue Paradigma dieser Generation war die Gesellschaftsgeschichte, Hans-Ulrich Wehler ihr prominentester Repräsentant.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2016

Rezensent Marc Tribelhorn scheint Hans-Ulrich Wehler ebenso zu vermissen, wie dessen Schüler Paul Nolte ihn vermisst. Nolte jedenfalls schreibt in einer ersten Annäherung an seinen Lehrer, den großen deutschen Historiker Wehler, keineswegs aus Distanz, sondern mit persönlichem Respekt, der auch Kritik einschließt, wie der Rezensent feststellt. Die von Nolte gewählte Form des "leichtfüßigen" Essays scheint Tribelhorn durchaus gut geeignet, so kann auch "einiges" über Deutschland im Kalten Krieg mit einfließen, erklärt er. Hagiografisch möchte er das Buch aber nicht nennen, bei allem Insiderwissen, das sein Autor teilt. Zu sehr weist Nolte auch auf die Eitelkeiten und Verirrungen seines Lehrers hin, meint er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2016

Im Wesentlichen ist Rezensent Stefan Berger mit Paul Noltes Essay über den Historiker Hans-Ulrich Wehler zufrieden. Der Autor zeichne Wehlers Positionen, beginnend bei seinen Lehrjahren, umfassend und klug nach, befindet der Kritiker, der insbesondere die Passagen über die Bielefelder Schule aufmerksam gelesen hat: Hier lernt Berger den Historiker nicht nur mit Blick auf seine maßgebliche Bedeutung für die deutsche Geschichtsschreibung kennen, sondern liest auch nach, wie engagiert sich der große, bisweilen polemische Wehler in öffentliche Debatten einmischte. Nicht ganz einverstanden ist der Kritiker allerdings mit Noltes Beschreibung von Wehler als Individualisten. Vielmehr habe dieser die Geschichtsschreibung als kollektives Projekt betrachtet, korrigiert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2015

Ach, die Bielefelder, die Bonner Idylle. Rezensent Jens Hacke bekommt nostalgische Gefühle, wenn Paul Nolte seinem Lehrer Hans-Ulrich Wehler ein Denkmal setzt. Das liegt auch daran, dass Nolte dem hagiografischen Ansatz weitgehend widersteht und einen "leichthändigen" Essay statt Beton liefert. Dass sich der Autor auch gekonnt mit Wehlers Werk und den Ideenkämpfen seiner Zeit auseinanderzusetzen weiß, macht die Sache für Hacke rund. Als qua Organisationstalent einflussreichster deutscher Historiker des 20. Jahrhunderts und letzter Verfechter der Totalgeschichte kommt Wehler im Buch zwar rüber. Die Kosten dafür verschweigt der Autor jedoch nicht, meint Hacke zufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2015

Rainer Blasius scheint die erweiterte Biografie über den streitbaren Historiker Hans-Ulrich Wehler, verfasst von seinem ehemaligen Mitarbeiter Paul Nolte, für erhellend zu halten. Aufschlussreich findet Blasius etwa die Bezeichnungen Individualist und Reformer für den Gesellschafts- und Sozialhistoriker Wehler. Dass der Autor seinen Lehrer zum einflussreichsten Historiker der Republik kürt, wundert Blasius nicht, doch Einwände hält er für möglich. Am spannendsten scheinen dem Rezensenten die Erkenntnisse des Autors zu Wehlers Prägung durch Theodor Schieder und eine Geschichtswissenschaft der Realien. Auch Wehlers Interesse am Nationalsozialismus scheint ihm der Autor so erklären zu wollen.
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