Carsten Niemitz

Das Geheimnis des aufrechten Gangs

Unsere Evolution verlief anders
Cover: Das Geheimnis des aufrechten Gangs
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406516061
Gebunden, 255 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Anschaulich und nicht ohne Humor beschreibt Carsten Niemitz die Hintergründe für die Skepsis am bisherigen Bild von der Entstehung des aufrechten Gangs und erläutert sein Gegenmodell vom amphibisch lebenden Affen als dem eigentlichen Vorfahr des Menschen. "Der Mensch stieg von den Bäumen" - nur weniger Aussagen sind wir uns so gewiss wie dieser. Leider vergessen wir hierbei allzu oft, dass auch wissenschaftliche Erklärungen, selbst wenn sie von Darwin stammen, sich ändern können. So auch im Fall des äffischen Vorfahren des heutigen Menschen, von dem es immer heißt, er habe erst die Bäume verlassen und sich dann, als Bewohner der Savanne, im Laufe seiner weiteren Entwicklung aufgerichtet, um schließlich auf seinen zwei Hinterbeinen zu laufen. Mittlerweile wachsen die Zweifel an dieser Sichtweise von der Evolution des Menschen. Gibt es doch eine Fülle von Hinweisen die nahelegen, dass sich die unmittelbaren Vorfahren des Menschen gar nicht primär in den Bäumen, sondern in den Uferzonen von Seen, Flüssen und anderen Gewässern aufhielten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Warum geht das menschliche Säugetier aufrecht? Und warum hält es sich so gern in Wassernähe auf? Beide Fragen, nebeneinandergestellt, ergeben bereits die Antwort, zumindest behauptet das der Humanbiologe Carsten Niemitz: Unsere Vorfahren haben die Ufernähe gesucht, weil sie als noch waffenlose und zugleich recht behäbige Wesen von vergleichsweise geringer Körperkraft ebendort am leichtesten die Nahrung fanden, derer sie bedurften, nämlich Muscheln und andere "an tierischen Proteinen und mehrfach ungesättigten tierischen Fettsäuren" reiche Lebewesen. Und um sich im Wasser fortbewegen zu können, haben sie sich dauerhaft aufgerichtet. Der Rezensent Ulrich Baron findet das sehr schlüssig und äußert sich auch sonst überaus positiv zu Niemitz' "erfrischend unkonventionellem Buch", das nicht nur mit knallharter Wissenschaft, sondern auch mit den Ergebnissen von Feldforschungen an Berliner Badestränden aufwartet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2004

Manuel Lenzen lobt, das von Carsten Niemitz, Professor für Humanbiologie und Anthroplogie in Berlin, in diesem Buch gezeichnete Bild unserer Vorfahren "als friedliche Fischer und Angler" sei "doch tatsächlich einmal etwas anderes" als die "aggressive, mit Steinen nach Löwen werfende Bande, wie sie die Evolutionsforscher sonst präsentieren". Das Buch geht von dem Umstand aus, so erfahren wir, dass - "der Laie mag es kaum glauben", bemerkt die Rezensentin - die Forschung zur Evolutionsgeschichte des Menschen bislang noch keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage gefunden hat, warum unsere Vorfahren zum aufrechten Gang gefunden haben. Niemitz habe mit diesem Buch, lobt Lenzen, nun eine "originelle These" dazu vorgelegt. Demnach ergab sich der entsprechende Selektionsdruck daraus, dass unsere Vorfahren einmal vornehmlich in der Nähe von Gewässern lebten, und die "watende Nahrungssuche im flachen Wasser" ihren Alltag prägte. Das Buch verwendet, erfährt man, viel Platz auf die Architektur des stehenden Skeletts, und mit seiner eigentlichen Theorie ist Niemitz "recht schnell fertig". Dafür entschädigt er mit einer Reihe nicht ganz ernst gemeinter Belege für seine These - wie dem, dass Seegrundstücke schließlich bis heute die höchsten Preise erzielen würden.
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