Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Antje Ravic Strubel. Mit einem Vorwort von Jeff Berlin. Lucia Berlins Erzählungen gehen auch deshalb so unter die Haut, weil sich in ihnen ihr eigenes wechselvolles Leben spiegelt. 18 Mal zog sie um, wurde mit 32 Jahren als Mutter von vier Söhnen bereits zum dritten Mal geschieden, war nirgends richtig zu Hause. Kurz vor ihrem Tod 2004 schrieb sie an einem Buch, das mehr als 20 kurze autobiografische Texte enthält, chronologisch geordnete Erinnerungen an die Orte, die sie prägten und an denen auch ihre Geschichten spielen. Sie beginnen 1936 in Alaska und enden (viel zu früh) 1966 im Süden Mexikos, mehr Zeit blieb ihr nicht. Ergänzt durch eine Auswahl von Fotos und Briefen, gibt der von ihrem Sohn Jeff herausgegebene Band einen Einblick in den Lebensstoff, aus dem Lucia Berlin ihre Literatur geschaffen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.09.2019

Tolle Texte, aber das Design dieser beiden Erzählbände von Lucia Berlin - "Abend im Paradies" und "Welcome Home" - macht die Rezensentin Antonia Baum richtig wütend. Angesichts der ranschmeißerischen Großaufnahmen des "Welcome Home"-Bandes (herausgegeben vom Sohn Jeff Berlin) neben den Briefen und autofiktionalen Texte fühlt sich die Rezensentin bald wie ein "penetranter Detektiv", beschäftigt mit dem Zusammentragen von Hinweisen aus dem Leben auf das Werk. Das aber ist genau die falsche Einstellung, findet die Berlin-begeisterte Baum, und das würden schließlich alle merken, die sich wirklich auf die Sprache der Autorin einließen. Natürlich sei das prekäre Leben der Schriftstellerin auch von Interesse. Aber wie viel angemessener wäre es gewesen, eine wirklich sorgfältige Edition der autofiktionalen Texte des "Welcome Home"-Bandes zu bekommen und sie dann mit einer gewissen respektvollen Distanz auf jene 22 Stories zu beziehen, die im "Paradies"-Band versammelt sind. Das Leben als alleinerziehende, in miesen Jobs gefangene Mutter, die manchmal ins Drogen- und Alkoholikermilieu absackte und immer mit den falschen Männer zusammen war, spiegelt sich in der Tat, schreibt sie, in den Stories der Autorin. Aber das WIE ist entscheidend. Deshalb empfiehlt Antonia Baum die Lektüre der autofiktionalen Prosa und Briefe des "Welcome Home" Bandes und der Stories in "Abend im Paradies" als ungeheuer lohnende Lektüre, ganz einfach wegen der Sprache.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2019

Angela Schader stellt den Band mit Prosa-Erinnerungen, Bildern und Briefen von Lucia Berlin gleich neben die Erzählungen der Autorin. Nicht nur, dass sich beides gut ergänzt, wie Schader feststellt, die autobiografischen Skizzen über Orte, Menschen und Ereignisse im Leben der Autorin stehen den erzählenden Texten in Sachen Tempo und Genauigkeit auch nicht nach, lässt Schader wissen. Die wohlgetaktete Prosa und die Briefe aus den Jahren 1944 bis 1965 miteinander vergleichend erkennt die Rezensentin allerdings, wie sprunghaft und rätselhaft Berlin durchaus auch sein konnte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.06.2019

Lucia Berlins autobiografische Texte und Briefe bieten Manuela Reichart Einblick in eine prekäre Künstlerexistenz in den 50er Jahren in den USA. Berlin erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, von Lieben, Reisen und Umzügen, Häusern und den Strapazen ihrer vielen Brotjobs - und natürlich vom Schreiben. Die Meisterschaft der Autorin in der kurzen Form bestätigt sich hier laut Rezensentin. Unsentimental, berührend und komisch findet Reichart vor allem auch die Briefe.