Aus dem Russischen von Peter Urban. Die hier vorgelegten kurzen Erzählungen Dobyčin - sie erschienen zwischen 1924 und 1930 verstreut in literarischen Zeitschriften und Almanachen Leningrads - bilden so etwas wie das Manifest des erzählerischen Stils dieses Autors, der sich im übrigen theoretischnie geäußert hat, es sei denn in aphoristischen Bemerkungen in Briefen. Dobyčins Erzählstil ist geprägt von Puskins Diktum über die künstlerische Prosa "Genauigkeit und Kürze" wie von Anton Cechovs Forderung nach "äußerster Kürze".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2014
Endlich gibt es eine deutsche Edition des Gesamtwerks des Leningrader Avantgardisten Leonid Dobycin, freut sich Rezensentin Judith Leiser, die den Vergleich Dobycins mit Puschkin, Tschechow und Babel nicht scheut. Auch wenn in Dobycins Prosa laut Leiser nicht allzu viel passiert, ist sie ganz angetan von dem energisch "vibrierenden Stillstand", der die nahezu expressionistischen Sätze durchweht. Sie folgt der Kritik des Autors am Sozialismus, erhält tiefgreifende Einblicke in die Gesellschaft und Provinzen der Sowjetunion und bewundert insbesondere den kunstvollen Umgang mit der Sprache, die sinnlich, "anmutig" und zugleich klar erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2013
Dieses Buch ist auch das Werk des Übersetzers, findet Nicole Henneberg, die Peter Urban großzügig in ihre huldigende Besprechung von Leonid Dobycins zwischen 1924 und 1930 entstandenen Erzählungen miteinbezieht. Wenn sie die Detailschärfe und Lakonik des Autors, seine Fähigkeit, Hauptsatz für Hauptsatz, ganz ohne Seelenzustände und fast ohne Landschaftsbeschreibungen sinnliche genaue Eindrücke vom Leben in der russischen Provinz zu geben und die tief liegenden Schichten der unter dem Propagandastaat lebenden Gesellschaft freizulegen, anhand dieser Texte erkennt, ist das nicht zuletzt Urbans Verdienst. Erkennbar wird für Henneberg auch, wieso Dobycin in seiner Heimat zu Lebzeiten als Provokation galt und was den Autor mit Tschechow verbindet.
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