Daniil Charms

Fälle

Prosa, Szenen, Dialoge
Cover: Fälle
Friedenauer Presse, Berlin 2002
ISBN 9783932109263
Gebunden, 260 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Peter Urban. Es ist noch lange nicht ausgemacht, so Peter Urban, ob nicht Charms, entgegen den offiziell geförderten "sozialistischen Realisten", der wahre Realist des sowjetischen Alltags gewesen ist...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.08.2003

Sehr beeindruckt zeigt sich Rezensentin Sibylle Cramer von diesem Band mit Szenen, Dialogen und Prosastücken des in so gefährliche Zeiten hineingeborenen Daniil Charms. Die "Fälle", berichtet Cramer, haben fast dokumentarischen Charakter, so konkret und direkt erzähle Charms von "halb toten, gewalttätigen, entsetzlich verkrüppelten Menschen" oder auch von den "Hungerdelirien eines halb wahnsinnigen Erzählers". Am großartigsten findet Cramer die Texte, die "das Zwielicht zwischen Schein und Sein" suchen, oder auch "das Halbdunkel zwischen Verzauberung und Entzauberung". Und nirgendwo finde sich die irrlichternde Metaphysik des russischen Humoristen schöner wieder, schwärmt die Rezensentin, als in der Episode "Schein und Sein Nr.1", in der ein Maler nach einer bemerkenswerten Begegnung mit einem Hahn erkennt, dass die Welt eine Rauchfahne ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2003

Birgit Veit hebt zu einem großen Loblied auf die kleine Friedenauer Presse an, der es gelungen ist, mit der kontinuierlichen Übersetzung und Herausgabe von Charms' Schriften diesem lange vergessenen Autor im deutschen Sprachraum zu einer unbestrittenen Akzeptanz zu verhelfen. Die verlegerische Arbeit von Katharina Wagenbach und Peter Urban sei umso wichtiger, als der Haffmans Verlag, in dem ebenfalls Teile von Charms' Texten erschienen sind, pleite gegangen ist. Eine Neuauflage erfährt der Band "Fälle", teilt Veit mit, bei dessen Lektüre ihr das Lachen regelrecht vergangen ist. Die Humoresken verdichteten sich immer mehr zu "grotesken Kürzestgeschichten", so Veit, bei denen die Gewalt immer stärker in der Vordergrund treten würde. Indem Charms jede Einfühlung mit dem Opfer verweigere, steigere er zugleich die Hilflosigkeit und Aufgewühltheit des Lesers.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.02.2003

Ganz verzückt ist Martin Mosebach von Daniil Charms neu edierten Prosastücken. Diese kleinen Grotesken haben zwar das Format von Anekdoten und Witzen, erklärt Mosebach, doch ihre Komik beruhe auf ihrer "schwebenden Pointenlosigkeit, oft auch Pointenverweigerung, gelegentlich sogar Pointenvernichtung". Oft nur einige Sätze lang, erzählen die Geschichten Grausames und Gewalttätiges, schwelgen in "rätselhaft unmotivierten Bluttaten", und doch, schwärmt Mosebach, findet all diese fürchterliche Verwirrung in einem "Geist voll ästhetischer Unschuld" statt. Gelegentlich schiebe sich auch der Geist des Chaos zwischen erzähltes Ereignis und literarische Wiedergabe. Das alles sei - zumindest in der Übersetzung von Peter Urban - in einer glockenklaren Sprache geschrieben, deren poetische Einfachheit an Robert Walser erinnere.

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