Aus dem Russischen von Christiane Körner. Die Leningrader Blockade durch deutsche Truppen während des Zweiten Weltkriegs dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. In dieser Zeit verloren über eine Million Bewohner der Stadt ihr Leben, meist verhungerten sie, da durch die Blockade die Versorgung Leningrads nicht mehr gewährleistet werden konnte. In seinem bewegenden Tagebuch notiert Pawel Salzman den Alltag, den Hunger, die Kälte, die Bombeneinschläge, aber auch die Strategien des Überlebens und die grausamen Vorwürfe, die er sich macht, weil seine Eltern verhungerten, während er, seine Frau und seine kleine Tochter am Leben geblieben sind. Sein Blockadetagebuch zeichnet sich trotz späterer Überarbeitung durch große und eindrückliche Unmittelbarkeit aus. Bei aller Entsetzlichkeit des Geschehens - die Leningrader Blockade, in Deutschland noch viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein präsent, zählt zu den grausamsten Verbrechen der Wehrmacht - verzichtet Salzman auf eine drastische Darstellung und legt den inneren Kampf offen, Mensch zu bleiben unter unmenschlichen Umständen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2022
Rezensentin Olga Martynova geht mit Pawel Salzman in eine Zone des Daseins, wo das Menschsein sich auf Hunger, Kälte, Erschöpfung reduziert. Salzmans Aufzeichnungen aus der Zeit der mörderischen Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht sind für sie eine Lektüre am Rand des Sagbaren, die alles Denkbare überschreitet und zeigt, dass der Mensch in so einer Ausnahmesituation seine Fähigkeit zur Reflexion fast verliert. Dass auch die Sprache eine andere wird, gibt die Übersetzung von Christiane Körner laut Martynova meisterhaft wieder.
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