Gesprochen von Axel Wostry und Ron Williams. Mit einem Nachwort von Carolin Emcke. Fünf CDs mit einer Laufzeit von 395 Minuten. Lautstark schwingen sich selbsternannte Tribunen des Volkes, esoterische "Querdenker" und autoritäre Demagogen zu Verteidigern der demokratischen Ordnung auf, deren Werte sie eigentlich ablehnen. Um Gefolgschaft zu organisieren, schüren sie Ängste vor drohendem Chaos und spinnen Verschwörungstheorien über anonyme Mächte, die das Schicksal der Nation bestimmen. Vorschläge zur Lösung komplexer gesellschaftliche Probleme sind ihre Sache nicht. Vielmehr verlegen sie sich auf eine aggressive Rhetorik des Kampfes gegen "die Politiker", "die Linken", "die Flüchtlinge" und immer wieder: "die Juden".Was sich wie eine Kurzbeschreibung von Aspekten der politischen Kultur unserer Tage liest, ist Gegenstand eines Buches, das vor mehr als siebzig Jahren geschrieben wurde. In Falsche Propheten analysiert Leo Löwenthal Themen und Techniken politischer Demagogie. Er fragt, warum die immergleichen Phrasen und Phantasmen verfangen, legt dar, weshalb dem Agitator so schwer beizukommen ist, und warnt vor Unterschätzung. Denn nicht selten ist die Agitation "Generalprobe fürs Pogrom".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.03.2021
Etwas ambivalent bespricht Rezensent Lothar Müller diese Aufnahme. Eigentlich gefällt ihm nur der von Axel Wostry gesprochene Haupttext von Leo Löwenthal; die amerikanisch-aufgemotzten Töne inszenierter "Liveauftritte" faschistischer Agitation findet er überhaupt nicht gelungen. Dass dieser Text von 1949 heute beinahe ausschließlich gehört wird als eine Art historische Ankündigung von Donald Trump - Stichworte sind "überbordender Narzissmus" oder "Clownspantomine" - sei in gewisser Weise ein Nachteil, zumal man jetzt gerne glauben möchte, auch jener Spuk sei, ähnlich wie der faschistische, nun vorbei. Viele Formulierungen, hörte man genau hin, könnten einen jedoch warnen, so ein durchgängig ziemlich mürrisch gestimmter Kritiker.
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