Avraham Barkai

Wehr Dich!

Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C. V.) 1893-1938
Cover: Wehr Dich!
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406495229
Gebunden, 496 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.) wurde 1893 mit dem Ziel der Abwehr des Antisemitismus gegründet. Durch seine Aktivitäten - in der Politik, der Rechtsprechung, im Erziehungswesen und der Publizistik - sollte die volle Gleichberechtigung der Juden herbeigeführt und die Vorurteile der nichtjüdischen Bevölkerung überwunden werden. Unter dem Druck des wachsenden Antisemitismus und der zunehmenden Ideologisierung der Öffentlichkeit entwickelte sich der C.V. bald von einem "Abwehr-" zu einem "Gesinnungsverein", der zwar die nach außen gerichtete Arbeit fortsetzte, zugleich aber ein Ort der Auseinandersetzung religiöser wie säkularer Juden bei ihrer Identitätssuche zwischen Deutschtum und Judentum wurde. Im Zentrum des Buches steht dabei die ideengeschichtliche Entwicklung des Vereins, stehen die Personen, die die Abwehrarbeit des C.V. geführt und den Diskurs innerhalb der deutschen Judenheit mitbestimmt haben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Für lange Zeit nahm man an, dass die Geschichte des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.), der 1893 gründet wurde, zu seiner Hochzeit im Jahr 1924 630 Ortsgruppen und 72.000 Mitglieder zählte und 1938 von der Gestapo aufgelöst wurde, unwiederbringlich verloren sei, denn das Archiv des C.V. hatten die Nazis beschlagnahmt und galt als verschollen, berichtet Michael Wildt. Doch tauchte es in einem Moskauer Sonderarchiv wieder auf und so hat sich, freut sich der Rezensent, der 1921 in Berlin geborene und heute in Israel lebende wissenschaftliche "Autodidakt" Avraham Barkai der Aufarbeitung der Vereinsgeschichte angenommen. Herausgekommen sei, lobt Wildt, eine anregende, informative und lebendig geschriebene "Organisationsgeschichte", in der Barkai "eindringlich" und "differenziert" über zionistische Debatten und den schweren Abschied vieler Juden von ihrer deutschen Heimat erzähle. Dem Autor sei es gelungen, erkennt der Rezensent an, nicht nur die Geschichte des C.V. zu rekonstruieren, sondern sich vor allem der Geschichte von Menschen verschrieben zu haben. Außerdem, so Wildt, erfahre eine "herausragende Intellektuelle", Eva Reichmann, mit diesem Buch endlich eine "längst überfällige Wiederentdeckung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2002

Avraham Barkais Gesamtdarstellung der Aktivitäten und Programmatik des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" (C.V.), der von seiner Gründung 1893 bis zur Zerschlagung durch die Nationalsozialisten 1938 die wichtigste Organisation der deutschen Juden war, schließt für Rezensent Thomas Meyer eine der großen Lücken in der Erforschung der deutsch-jüdischen Geschichte. Begünstigt durch Aktenfunde in Moskauer Archiven könne der in Berlin geborene und in Israel lehrende Historiker die Geschichte des C. V. von den Anfängen bis zum Ende nachzeichnen. Meyer würdigt dies als eine "erstaunliche Leistung". Er hebt hervor, dass Barkai damit zugleich eine Rehabilitierung der ideengeschichtlichen Historiographie gelungen ist. Barkais besondere Aufmerksamkeit bei seiner Darstellung der Geschichte des C.V., die der Rezensent ausführlich referiert, gilt laut Meyer vor allem den Wandlungen von Positionen und den Debatten um die richtige Strategie, mit der im C.V. auf die vielfältigen Formen von Antisemitismus reagiert werden sollte. Mit seiner Arbeit hat Barkai die "lang erwartete Geschichte" des C.V. vorgelegt, resümiert Meyer, "ein beeindruckendes, von einem gütigen Blick auf die handelnden und Verantwortung tragenden Personen bestimmtes Buch."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2002

Es gab bislang keine umfassende Darstellung des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", unterrichtet uns Christoph Jahr, was unter anderem daran gelegen habe, dass die Aktenbestände des C.V. von der Gestapo beschlagnahmt wurden und das "Sonderarchiv" erst wieder 1991 in Moskau auftauchte. Zum anderen wurde der Centralverein lange Zeit wegen angeblichen "Assimilantentums" verachtet, insofern stellt nun die Arbeit von Avraham Barkai auch eine Rehabilitierung des C.V. dar, die in Jahrs Augen die bisherige Dominanz der zionistischen Perspektive beendet. Barkais Leistung besteht vor allem in der Bündelung des heutigen Wissenstands, stellt Jahr klar, sein ideengeschichtlicher Ansatz vermittle ein dichtes atmosphärisches Bild, verliere sich allerdings manchmal in den Details. Die Zentrierung der Perspektive auf Berlin hält der Rezensent für ebenso bedauerlich wie unvermeidbar. Insgesamt lässt sich heute jedenfalls feststellen, so Jahr, dass der Centralverein einen wichtigen Beitrag zur Gruppenidentität der deutschen Juden geleistet habe.