Das Buch behandelt die zweihundert Jahre seit dem ersten serbischen Aufstand gegen die osmanische Herrschaft 1804 bis zum Beginn der Nach-Milosevic-Ära. Erstmals werden Politik- und Ereignisgeschichte mit Gesellschafts-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte zu einer Symbiose verbunden. Und erstmals in einer Gesamtdarstellung der neueren Geschichte Serbiens wird kulturwissenschaftlichen Fragestellungen und Ansätzen breiter Raum gewidmet. Serbien, dem eine zentrale Bedeutung für die Stabilisierung des Balkanraumes im 21. Jahrhundert zukommt und wahrscheinlich eine der größten zukünftigen Herausforderungen an die Europäische Union darstellt, hat der Berliner Osteuropaexperte Holm Sundhaussen eine erste umfassende Geschichte gewidmet. 200 Jahre serbische Geschichte werden darin aufgerollt und die Zerreißprobe zwischen Tradition und Moderne in der Nach-Milosevic-Ära verständlich gemacht.
Distanz und Emotion handhabt der Autor in der richtigen Balance, lobt Rezensent Rüdiger Rossig die Herangehensweise des Historikers Holm Sundhaussen an sein "Lebensthema". Rossig schätzt die vom Autor geleistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der Erforschung und Darstellung der Serbischen Staatsgeschichte hoch, weil sie die für Serbiens Geschichte so wirkungsmächtigen Mythen mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fakten konfrontiert und die Entwicklung von Wirtschaft und Verwaltung "anschaulich" macht. Für Rossig stellt der Band mit seiner die Rolle der Militärs, der Intellektuellen, Bürger und Bauern gleichermaßen einschließenden Perspektive einen Gegenentwurf zur patriotischen Geschichtsschreibung dar.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2008
Rezensent Cyrill Stieger zeigt sich begeistert von dem "gut lesbaren Werk mit einer Fülle von Informationen". Der Autor, der Berliner Südosteuropa-Historiker Holm Sundhaussen, geht davon aus, dass es nicht reiche, Serbiens Geschichte zu kennen, um dieses Land zu verstehen. Ebenso müsse man sich mit seinen "nationalen Mythen und instrumentalisierten Bildern der Vergangenheit" beschäftigen. Nach Informationen des Rezensenten glaubt Sundhaussen, dass heute ein völlig anderes Serbien möglich wäre, wenn sich die Eliten des Landes im letzten Jahrhundert nicht zuvörderst der territorialen Expansion verschrieben hätten. Ein "Blick durch das Fenster der Vergangenheit" sei unbedingt notwendig, um die "Geschichtsmythen zu entrümpeln" und Serbien eine hoffnungsvolle Zukunft zu ermöglichen.
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