Das Kosovo rückte 1998/ 99 aus der Peripherie ins Zentrum der Weltpolitik, als die internationale Gemeinschaft mit hektischer Krisendiplomatie, dann mit Luftoperationen der NATO der serbisch-albanischen Gewaltspirale Einhalt gebot. Doch wie hat sich dieser Konflikt, der über ein Jahrzehnt im Schatten der Weltpolitik heranreifte, aufgebaut? Warum waren die internationalen Bemühungen um seine Eindämmung so halbherzig und so widersprüchlich? Und welche Schlussfolgerungen lassen sich aus ihrem Scheitern für künftige Krisenprävention und -vermittlung ziehen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2006
Gregor Schöllgens Urteil zu dieser Studie zum Kosovokonflikt von Rafael Biermann ist zwiespältig. Der Autor hat in seiner Rekonstruktion der Elemente, die zur Eskalation im Kosovo und dem Scheitern der Friedensbemühungen geführt haben, nicht nur Zeitzeugen befragt und Medienberichte durchforstet, sondern kommt in seinem Buch auch immer wieder auf der Geheimhaltung unterliegende geheimdienstliche Quellen zurück, die er deshalb nur unvollständig und ohne Quellenangabe zitiert. Der Autor folgt damit einem "Trend", den der Rezensent bedenklich findet und letztlich auch als unseriös kritisiert. Die detaillierte Analyse des Kosovo-Konflikts erscheint Schöllgen vornehmlich an ein Fachpublikum gerichtet, wobei ihn die mitunter abgegebenen Pauschalurteile Biermanns verstimmen. Wenn der Autor dagegen nach Ursachen und Auswirkungen des Krieges fragt, hat er den Rezensenten wieder auf seiner Seite, der insbesondere die "historische Tiefendimension" der Untersuchung als lesenswert lobt.
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