Rechtzeitig zum 100. Geburtstag Kurt Martis umfangreiches Brevier wieder lieferbar. "Notizen und Details", das essayistische Werk, das vielen als Martis Hauptwerk gilt, kommt unter einem ebenso bescheidenen wie programmatischen Titel daher. Es bietet sämtliche Kolumnen, die Marti während über 40 Jahren für die Zeitschrift Reformatio verfasst hat. Das Spektrum des Notierten und im Detail Reflektierten ist ausgesprochen weit. Marti reagiert hellwach auf das Tagesaktuelle, erinnert an Vergessenes und befragt die Zukunft. Dass er seine erste Kolumne den frommen Schnulzen widmet und in der letzten nachdrücklich für einen "aufgeklärten, aufklärenden Protestantismus" plädiert, ist insofern charakteristisch. Hohe und niedrige Themen, Gott und die Welt gehen bei ihm Hand in Hand - manchmal ausführlich argumentierend, manchmal in aphoristischer Verdichtung. Nicht zuletzt zeigen die Kolumnen Marti auch als aufmerksamen Leser. Seine Notizen verweisen, kritisch glossierend, auf unzählige Bücher. Durch diese Bemerkungen wie durch eingestreute Selbstinterpretationen sind die "Notizen und Details" auch unverzichtbar, um Martis eigenes theologisch-literarisches Werk in seinen Kontexten zu situieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2021
Jürg Altwegg singt eine Hymne auf Kurt Marti, den Schweizer Pfarrer "ohne Predigt", der "in der Literatur ein Dichter" war, wie der Kritiker schreibt. Entsprechend froh ist der Rezensent über gleich drei bei Wallstein erschienene Neuausgaben mit Kolumnen, Gedichten und Prosa aus dem Nachlass. Während der Gedichtband - mit einem Nachwort von Nora Gomringer und der Prosaband - mit einem Nachwort von Franz Hohler - teils unbekannte, letzte Texte von Marti enthält, wurden dessen Kolumnen bereits vor zehn Jahren veröffentlicht, weiß Altwegg. Und doch sind es gerade Martis Betrachtungen über Stadtplanung, Schweizer Literatur, Kollegenneid, Peter Handke oder Schweizer Skandale, die das besondere Interesse des Kritikers erregen: Als Martis "intellektuelles Hauptwerk" ergänzen sie dessen Gedichte und Prosa perfekt, meint er.
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