Untersucht man die Lutherjubiläen der vergangenen zwei Jahrhunderte, fällt auf, dass viele der Lutherdeutungen, die Festredner bei den verschiedenen Anlässen - von der dreihundertjährigen Wiederkehr der Abfassung der Thesen 1817 bis zur Erinnerung an Luthers 500. Geburtstag 1983 - mit Pathos vortrugen, relativ rasch wieder in Vergessenheit gerieten. Fast will es scheinen, dass diejenigen, die Luther feierten, immer zuerst und vor allem sich selbst feierten - ihre eigene politische Position, ihre eigenen kulturellen Werte, ihre jeweiligen kirchenpolitischen Ansichten. Mit anderen Worten: Immer wieder, von 1817 an, wurde das Luthergedächtnis für bestimmte politische oder auch kirchliche und kulturelle Zwecke instrumentalisiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2013
Johann Hinrich Claussen freut sich darüber, dass die bedeutendsten Aufsätze des Historikers Hartmut Lehmann zum Luthergedächtnis in diesem Band versammelt sind. Die Lektüre der Schriften hält er für eine gute Voraussetzung für ein angemessenes Reformationsgedenken angesichts des 500. kleinen Reformationstages 2017. Was kann der Leser laut Rezensent mit diesem Buch lernen? Etwa, dass der protestantische Gründungsmythos ein Mythos ist, meint Claussen. Oder, wie sehr die Gedenkkultur zur Reformation stets politischer Funktionalisierung unterworfen war. Auch wenn der Autor laut Claussen nicht immer den interessantesten Punkt trifft - um den Gedenktag als Bildungsereignis zu begreifen und weniger als touristische Folklore, kann Claussen die Lektüre empfehlen.
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