Mit China und Indien schließen die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde wirtschaftlich zur Weltspitze auf. Ihr politisches Gewicht erhöht sich entsprechend. Das 21. Jahrhundert wird ein asiatisches sein, darüber sind sich alle politischen Beobachter einig. Weitgehend unbestritten ist auch, dass damit einhergehend die zweihundertjährige Dominanz des Westens beendet, zumindest relativiert wird. Nicht nur ökonomisch, auch politisch. Das Buch des singapurischen Politikwissenschaftlers Kishore Mahbubani ist eine der ersten maßgeblichen Stimmen aus Asien, die sich mit dieser dramatischen Machtverschiebung befassen. Im Gegensatz zu den oft alarmistischen Wortmeldungen westlicher Provenienz strahlt es das neue Selbstbewusstsein aus, mit dem die asiatischen Eliten den Gang der Ereignisse begleiten. Mahbubani zeigt, wie die Übernahme westlicher Modelle - Öffnung der Märkte, Leistungsgesellschaft - Asien nach vorn gebracht hat, erst Japan, dann die Tigerstaaten, schließlich China und Indien. Zugleich kritisiert er die westliche Doppelmoral bei der Forderung nach Demokratie und Menschenrechten oder bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2009
Wie lässt sich ein immer stärker werdendes Asien in die globale Community integrieren? Rezensent Thomas Speckmann stößt in diesem Buch des ehemaligen Botschafters und Politologen Kishore Mahbubani zwar durchaus auf bedenkenswerte Antworten (Reform der UN, innenpolitische Methoden global nutzen). Insgesamt jedoch erscheint ihm Mahbubanis damit einhergehende Kritik an europäischen und US-amerikanischen Politikansätzen überholt. Schließlich, so Speckmann, sei der vom Autor vermisste amerikanische Pragmatismus mit Obama zurückgekehrt, bewältige Europa die Weltwirtschaftskrise mit vergleichsweise kühlem Kopf.
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