Barbara Eppensteiner (Hg.), Karl Sierek

Der Analytiker im Kino

Siegfried Bernfeld. Psychoanalyse. Filmtheorie
Cover: Der Analytiker im Kino
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783861091431
                         , 263 Seiten, 24,54 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2001

Neueres und Älteres zu Psychoanalyse, Kino, Philosophie bespricht Fritz Göttler für uns. Genauer heißt das: Eine Neuauflage von Stanley Cavells Essaysammlung "Nach der Philosophie" (im Akademie Verlag) sowie "Der Analytiker im Kino. Siegfried Bernfeld", herausgegeben von Barbara Eppensteiner und Karl Sierek und erschienen bei Stroemfeld/Nexus.
1) Stanley Cavell: "Nach der Philosophie"
Den Autor nennt Göttler einen von der Psychoanalyse inspirierten Philosophen mit Hang zu Wittgenstein, Hegel und Marx. Das Buch erinnert er als ein "wunderbares, wunderliches" und eine "angenehme Tour in Sprach- und Filmphilosophie", die mit Irritation liebäugelt. Kostprobe: "Wittgenstein und die amerikanische Wiederverheiratungskomödie werden vermittelt durch die populären Kino- und Tubakünstler Frank Capra und Mr. Deeds. Gemeinsam künden sie von der Herrlichkeit und Kraft des Mediums: 'Was der Text kennt, bin ich selbst." Klingt nach moderner Psychoanalyse, ist aber purer Cavell. Meint Göttler.
2) Barbara Eppensteiner, Karl Sierek (Hg.): "Der Analytiker im Kino"
Geschildert werde die Entstehung eines Skripts des Psychoanalytikers Siegfried Bernfelder. Wie Bernfelder "die Mechanismen und Möglichkeiten seines Metiers vorzuführen gedachte, schreibt Göttler, könne in diesem Band nachgelesen werden. Dazu Aufsätze zum historischen Kontext (Stichwort "Raumbühne", Eisensteins Begegnung mit der Psychoanalyse und anderes), "die ganze Erregung des Zwanzigerjahre-Wien". Geschrieben sei das Buch halb im Tonfall freundlicher Aufklärung, halb in expressionistischer Manier. Gut oder nicht so? Göttler schweigt, halb freundlich, halb expressionistisch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2000

Die Beiträge in diesem Band vermessen "ertragreich" das Spannungsfeld zwischen Freuds Theorie des Unbewussten und dem Kino, lobt Martin Stingelin. In seiner Kritik berichtet er von einem Streit im Jahr 1925 zwischen zwei Filmprojekten - "Geheimnisse einer Seele" von Georg Wilhelm Papst für die Ufa und dem "Konkurrenzfilm" von Siegfried Bernfeld und Adolf Josef Storfer, Leiter des Internationalen Psychoanalytischen Verlags in Wien. Während Papst schlicht einen psychoanalytischen Spielfilm drehen wollte, hatte Bernfeld gleich eine `authentische Darstellung der Freud`schen Lehren im Rahmen eines abendfüllenden Spielfilms` im Sinn. Freud hielt übrigens von beiden Projekten nicht viel. Neben den Beiträgen zum Filmprojekt Bernfelds enthält der Band auch dessen Entwurf zum Film, aus dem Stingelin genüsslich zitiert: So sollte etwa Emil Jannings als Film-Analytiker "die Traumgespinste von sieben Einsenbahnreisenden, darunter einer Gans, die von einem `Körnerregen` träumt, `mit einem kleinen Schmetterlingfangnetz` aus dem Coupé fischen".