Torborg Nedreaas

Nichts wächst im Mondschein

Roman
Cover: Nichts wächst im Mondschein
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630878034
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein kleiner norwegischer Küstenort in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts: ein nächtlicher Bahnhof, eine Frau mit einem roten Koffer, ein Fremder voller Einsamkeit im Gepäck. Gemeinsam gehen sie durch die Gassen, Seite an Seite, inmitten des dichten Schnees, der fällt, und der Kälte, die an den Gliedern zerrt. Bei ihm zu Hause dann erzählt sie ihm, einer modernen Scheherazade gleich, ihr Leben. Das ist der Handel, den sie eingehen in dieser Nacht. Sie, die ihm ihre Geschichte gibt. Er, der sie bewahrt. Was sie erzählt, und zwar schonungslos offen, ist die Geschichte einer verhängnisvollen Affäre zwischen einer jungen Frau und einem älteren Mann. Hier nahm alles seinen Anfang: das Glück, das Unglück und schließlich das Verderben. Sie, auf der Suche nach Liebe und Verbundenheit. Er, der sich aus Karrieregründen für die Tochter eines Apothekers entscheidet statt für die aus der Arbeiterschicht. Schwanger geworden steht sie vor einer Reihe von Entscheidungen, die in ihrer Zeitlosigkeit bestürzend sind - und die zu dieser Nacht in diesem Haus mit diesem Fremden führen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2025

Rezensent Franz Haas hat zunächst einmal eine Sache auszusetzen an dem "frühfeministischen Klassiker" aus Norwegen, den Torborg Nedreaas schon 1947 vorgelegt hat, und das ist die Rahmenhandlung, die ihm etwas hölzern erscheint: Ein Mann berichtet davon, wie eine ihm fremde Frau ihm nachts ihre komplette Lebensgeschichte voll existenzieller Unsicherheit zwischen Bergarbeiter-Herkunft und ungewollten Schwangerschaften erzählt. Es stelle sich dann aber schnell ein "elementarer Sog" ein, versichert Haas: Die namenlose Frau habe sich als Jugendliche in ihren Lehrer verliebt, von dem sie zweimal schwanger wurde, der von einer Vaterschaft aber nichts wissen wollte. Haas ist nahezu schockiert von der Wucht, mit der Nedreaas von Abtreibungsversuchen mit Stricknadeln berichtet - für ihn ein Roman,  der auch nach fast achtzig Jahren Erschütterung über "die miese Verteilung gewisser Verantwortungen im Menschengeschlecht" hervorruft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.04.2025

"Schmal und zugleich groß" ist für die Rezensentin Bettina Baltschev dieser 1947 erschienene Roman von Torborg Nedreaas, der in ihrer norwegischen Heimat längst zum Klassiker geworden ist. Eine namenlos bleibende Frau lässt sich auf eine Nacht mit einem Mann ein und erzählt ihm ihre Lebensgeschichte als Außenseiterin, schildert Baltschev, unter gleichförmigen Menschen, die "eine ganz bestimmte Sorte Haferbrei" sind, ist sie eher ein "Pfefferkorn." Eine lange Affäre habe sie mit ihrem Lehrer gehabt, der sich dann doch für eine Frau seines Standes entschieden habe. Für die Kritikerin ist der Roman in seiner präzisen Sprache gerade deshalb so modern, weil er sowohl vom Begehren der Hautfigur als auch von ihren zwei Abtreibungen überzeugend und drastisch erzählt und mit den bürgerlichen Lebensentwürfen abrechnet: "Die Ehe, die ist ein Schwindel." Ein Roman, der nach fast 80 Jahren noch hochaktuell ist, resümiert Baltschev zufrieden.