Karl Holl

Ludwig Quidde (1858-1941)

Eine Biografie
Cover: Ludwig Quidde (1858-1941)
Droste Verlag, Düsseldorf 2007
ISBN 9783770016228
Gebunden, 648 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Seine Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Frieden hat Ludwig Quidde nicht vor dem Vergessenwerden bewahrt. Allenfalls weckt sein Name noch die Erinnerung an seine gegen Wilhelm II. gerichtete Schrift Caligula. Doch auch davon abgesehen verdient sein Wirken Interesse. Im Leben des hanseatischen Großbürgersohns und beinahe zu einer akademischen Erfolgskarriere gelangten Historikers spiegeln sich Glanz und Elend des deutschen Bürgertums zwischen Kaiserreich und Drittem Reich auf eigentümliche Weise wider. Als ein Mann vom demokratischen Flügel des Liberalismus verband er seine demokratischen mit pazifistischen Überzeugungen, die ihn zum lange unbestrittenen Führer der deutschen Friedensbewegung werden ließen. Die Radikalisierung des organisierten Pazifismus in der Weimarer Republik verdrängte ihn aus seiner bisherigen Führungsrolle. Die NS-Herrschaft zwang Quidde zum Exil in die Schweiz.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007

Schwer beeindruckt zeigt sich Rezensent Volker Ullrich von dieser Biografie des deutschen Friedensnobelpreisträgers des Jahres 1927. Umfassend nämlich gebe sie Auskunft über diesen Historiker, Politiker und Pazifisten und setze ihm ein verdientes, bleibendes Denkmal. Karl Holl habe für sein komplexes Werk "alles aufgespürt", was sich noch in in- und ausländischen Archiven habe auftreiben lassen. Besonders interessant findet er den in Moskau aufgespürten Teilnachlass, der 1933 nach Quiddes Emigration von der Gestapo konfisziert und als Kriegsbeute mit anderen Akten des Reichssicherheitshauptamtes in die Händer der Roten Armee gefallen sei. Sehr einverstanden ist der Rezensent mit der Entscheidung des Biografen, ins Zentrum seiner Auseinandersetzung mit Quidde dessen politisches Wirken zu stellen. Hier ist aus seiner Sicht besonders die Haltung den Versailler Verträgen und der deutsches Kriegsschuld gegenüber interessant. Als kleinen Mangel reklamiert Ullrich allerdings, dass Holl manchmal Unwichtiges von Wichtigem nicht zu unterscheiden wisse und gelegentlich seine Schilderung an Stellen ausufern, wo das Allgemeininteresse nicht gesichert ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2007

Lobend äußert sich Rezensent Gottfried Niedhart über Karl Holls umfassende Biografie des Historikers und Politikers Ludwig Quidde, der für sein pazifistisches Engagement 1927 den Friedensnobelpreis erhielt. Er würdigt Holl als bedeutenden Historiker, der mit dieser Biografie das "opus magnum" seiner friedenshistorischen Forschungen vorlegt. Dem Autor gelingt es seines Erachtens, die Vita Quiddes souverän in den Kontext der organisierten Friedensbewegung sowie der allgemeinen politischen Entwicklung im Kaiserreich und in der Weimarer Republik einzuordnen. Auch die innerpazifistischen Auseinandersetzungen in Deutschland findet Niedhart ausführlich beschrieben, wenngleich er sich hier eine etwas systematischere Darstellung gewünscht hätte. Quidde wird für ihn verständlich als linksliberaler Mann der Mitte, der immer wieder zwischen allen Stühlen saß. Zutreffend scheint ihm in diesem Zusammenhang Holls Wort vom "Lavieren als Lebensprinzip". Besonders rechnet er es dem Historiker an, die Ambivalenzen, Eitelkeiten und oft fragwürdigen politischen Einschätzungen Quiddes nicht zu verschweigen.

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