Karl Erich Grözinger

Jüdisches Denken. Theologie, Philosophie, Mystik

Band 2 : Von der mittelalterlichen Kabbala zum Chassidismus
Cover: Jüdisches Denken. Theologie, Philosophie, Mystik
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783593375137
Gebunden, 935 Seiten, 74,00 EUR

Klappentext

Seit dem Mittelalter versuchen Juden die unübersichtliche Welt zu deuten und den Ort des Menschen in ihr zu finden. Dazu diente ihnen auch die Kabbala, in die Modelle der Philosophie ebenso wie der Sprache, die Lehre von Engeln und Dämonen sowie der göttlichen Allbeseeltheit Eingang fanden. Der wissende Mensch kann, als Magier, diese Erkenntnisse verwenden und wird zum Partner Gottes in der Welterhaltung und -gestaltung. Der Kabbala zufolge fließt das göttliche Fluidum in allem, Menschenseelen erfüllen in der Seelenwanderung (Gilgul) menschliche Körper, Tiere, Pflanzen und Minerale. Riten und Gebotserfüllung werden neu gedeutet - so ist schon die tägliche Mahlzeit ein sakramentaler Akt. Karl Erich Grözinger stellt die verschiedenen kabbalistischen Modelle vor, bis hin zum Buch Sohar, das all diese Fäden zu einer phantastisch romanhaften Literatur verbindet, und zum osteuropäischen Chassidismus, der die kabbalistische Theosophie in eine mystische Anthropologie verwandelt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.07.2006

Als neues "Standardwerk zur jüdischen Vernunftgeschichte" würdigt Thomas Meyer diesen umfangreichen Band über die jüdische Theologie, Philosophie und Mystik, den Karl Egon Grözinger vorgelegt hat. In seiner akademisch gehaltenen Besprechung versucht Grözinger die Komplexität des Denkens innerhalb des Judentums deutlich zu machen. Einen Schwerpunkt des Werks erblickt Meyer in Grözingers Untersuchung der Auseinandersetzung der Kabbala mit der im neunten Jahrhundert beginnenden rationalen Systematisierung jüdischer Glaubenslehren und der damit einhergehend Ausdifferenzierung ihrer Lehren. Noch ausführlicher widme sich Grözinger den Erkenntnistechniken der Kabbala, die sich im Zuge neuaristotelischer und neuplatonischer Einflüsse ausbildeten. Einen Höhepunkt der Studie stellen für Meyer die Abschnitte zum Hasidismus dar. Er bescheinigt Grözinger eine hohe Kompetenz bei der Darstellung von begriffsgeschichtlichen und kombinatorischen Methoden. Darüber hinaus schätzt er die Arbeit für ihre Genauigkeit, Lesbarkeit und Aktualität im Blick auf den Forschungsstand.

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