Aus dem Englischen von Christian Wiese. Die Vorstellung von einem künstlich erschaffenen menschenähnlichen Wesen vom Golem ist tief in der magischen und mystischen Tradition des Judentums verankert. Moshe Idel geht dem jüdischen Diskurs über den Golem nach im Talmud, in der Kabbala, im Chassidismus. Seine Studie ist die erste umfassende historische und philologische Interpretation des religionsgeschichtlichen und literarischen Materials zum Golem von der Spätantike bis in die Moderne. Idels ausführliche Analyse bisher zumeist unzugänglicher Quellen beschreibt die Vielfalt der Techniken der Erschaffung eines künstlichen Menschen im Wandel der Zeit und ihre Bedeutung im Kontext der jüdischen Überlieferung. In kritischer Auseinandersetzung mit Gershom Scholem, der die wissenschaftliche Erforschung der Kabbala im 20. Jahrhundert neubegründete, unternimmt Moshe Idel eine faszinierende Neuinterpretation nicht nur der Geschichte des Golem-Stoffes, sondern der jüdischen Mystik überhaupt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2007
Andreas Kilcher würdigt Moshe Idels Studie über die Geschichte des Golem-Komplexes in der jüdischen Mystik und Magie seit der Antike als "Standardwerk", das nun endlich in deutscher Übersetzung vorliegt. Er betrachtet das Buch auch als Korrektur der Arbeiten von Gershom Scholem, einem der bedeutendsten Kabbala-Forscher, von dessen Thesen sich Idel kritisch absetze. Kilcher unterstreicht in diesem Zusammenhang neben Idels Ansicht, die Vorstellung des Golems sei nicht erst im Mittelalter, sondern bereits in der Antike entstanden, vor allem die Zurückweisung von Scholems Rationalisierung der Magie. Idel sehe in der Erschaffung des Golems keinen symbolischen Akt wie Scholem, sondern tatsächlich praktizierte Magie, etwa beim neuplatonischen Philosophen Jochanan Alemanno (etwa 1435-1510). Beeindruckt ist Kilcher von Idels "starken" Thesen und seinen erstaunlichen philologischen Kenntnissen antiker und mittelalterlicher Literatur. Zwar scheint ihm das Werk nicht gerade leicht zu lesen, auch weil der Autor nicht unbedingt ein herausragender Stilist ist. Dennoch aber erblickt er darin ein religionswissenschaftliches Grundlagenwerk "ersten Ranges".
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