Ferdinand Schlingensiepen

Dietrich Bonhoeffer 1906-1945

Eine Biografie
Cover: Dietrich Bonhoeffer 1906-1945
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406534256
Gebunden, 431 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers laufen auch noch sechzig Jahre nach seiner Hinrichtung vielen gängigen Erwartungen entgegen: Bonhoeffer entschied sich als Theologe für den Widerstand gegen Hitler; aber sein Widerstand war kein religiöser oder pazifistischer, sondern ein politischer und schloss die Gewaltanwendung nicht aus. Er gilt weltweit als einer der herausragenden Theologen des 20. Jahrhunderts, aber ein systematisches Hauptwerk sucht man vergeblich. Fasziniert haben vor allem seine in der Tegeler Haft geschriebenen Briefe und Aufzeichnungen, seine Gedichte, Gebete und Lieder und nicht zuletzt die Brautbriefe an seine viel jüngere Verlobte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2006

Anlässlich des 100. Geburtstages von Dietrich Bonhoeffer am 4. Februar zeichnet Friedrich Schlingensiepen in zwölf Kapiteln den "Studien- und Theologenweg" Bonhoeffers nach, der ihn zur Abkehr von der den Nazis ergebenen Kirche und zu Kontakten zum Widerstand führt. An der Biografie hat Rezensent Rupert Neudeck nichts auszusetzen, und so referiert er beeindruckt, wie konsequent Bonhoeffer seinen Glauben als Pflicht zur Entscheidung interpretiert und deshalb recht früh agiert und etwa ein alternatives Priesterausbildungsseminar in Pommern organisiert. Aktuell sei das Bonhoeffersche Verständnis des Christentums auch heute. "Nur wer für die Juden (Tschetschenen, Guantanamo-Häftlinge etc.) schreit, darf heute gregorianisch singen."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005

Einen Vorwurf will Klaus Harpprecht dem Biografen des liberalen und radikalen evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer nicht machen. Das Verdienst des Autors und Gründers der Bonhoeffer-Gesellschaft liege im gleichmäßigen Erzählfluss und den genau ausgewählten Zitaten, dazu geeignet, einem breiten Lesepublikum die widersprüchliche Persönlichkeit und die oftmals schwierigen Lebensstationen und Glaubensprüfungen des 1945, kurz vor der Kapitulation von den Nazis ermordeten Bonhoeffer nahe zu bringen. So hat auch Rezensent Harpprecht erst im "Kreis französischer Konfessionsgenossen" die immense Bedeutung Bonhoeffers als christlichen Widerstandskämpfer begriffen, der die Möglichkeit zur Emigration ausschlug und vor allem mit dem Flugblatt "Der Arierparagraf in der Kirche" deutlich Stellung gegen den Rassismus der Nazis bezogen habe, indem er weitergegangen sei als die Positionen der Bekennenden Kirche. Zwar habe man es mit der vorliegenden Biografie nicht mit einem genialisch-literarischen Entwurf zu tun, der auch die "Menschlich-Allzumenschlichen Elemente" und privaten Hintergründe "als ureigenste Welt des Theologen" ins Licht rücke. Diesen Schatten jedoch, hofft der Rezensent, möge vielleicht ein anderer zu gegebener Zeit erleuchten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005

Lobende Worte erntet Ferdinand Schlingensiepen für seine Biografie des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im KZ Flossenburg ermordet wurde und dessen Attraktivität laut Rezensent Niklaus Peter im Einblick liege, den er "in den dichten Zusammenhang von existenzieller Erfahrung, Spiritualität und Reflexion" gewähre. Wie der Rezensent erklärt, stellt Schlingensiepens "gleichmäßig vorwärts eilende Lebensbeschreibung" naturgemäß die Periode nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und den Widerstand Bonhoeffers in den Vordergrund. Doch im Gegensatz zu dem ersten großen Bonhoeffer-Biografen Eberhard Bethge vermeide Schlingensiepen die Position des starken Interpreten und übe sich im Hinblick auf die Vermittlung des Bonhoefferschen Denkens in den heutigen Denkhorizont in "Askese". Aus dieser Position ergibt sich denn auch die einzige Schwäche, die der Rezensent in diesem "sonst ausgezeichneten" Buch ausgemacht hat: Bonhoeffers theologische Werke und Gedankenfragmente kommen zu kurz. Möglich und wünschenswert wäre es jedoch laut Rezensent gewesen, - im Gegensatz zu Bethge - auf die Bruchlinien und die Probleme in Bonhoeffers Denken aufmerksam zu machen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2005

Allzu oft, schreibt Peter Steinbach, wurde Dietrich Bonhoeffer nach 1945 zur reinen Lichtfigur des Widerstands stilisiert - ein bequemes Mittel, um vom Versagen des deutschen Protestantismus während der Nazi-Zeit abzulenken. Dabei ist es gerade wichtig, sein Wirken im Namen des Regimes darzustellen, wenn man seine oppositionelle Tätigkeit würdigen will. Verleiht ihm nicht gerade seine "Entscheidung, in Widerspruch und Widerstand zu leben", seinen Charakter und seine Größe? Doch leider, urteilt Steinbach, wagt es auch Ferdinand Schlingensiepen in seiner Biografie nicht, weit von den sicheren Pfaden der Bonhoeffer-Hagiografie abzuweichen. Von Bonhoeffers theologischem Denken ausgehend, zeichnet er seinen Weg als konsequent und gerade. Das mag sein, meint Steinbach - doch was ist mit den täglichen, überaus schwierigen Entscheidungen, die einen solchen Weg innerhalb eines diktatorischen Systems ermöglichen?
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