Kamel Daoud

Meine Nacht im Picasso-Museum

Über Erotik und Tabus in der Kunst, in der Religion und in der Wirklichkeit
Cover: Meine Nacht im Picasso-Museum
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2020
ISBN 9783462053319
Gebunden, 176 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Kamel Daoud, Picasso und der Dschihadist - ein Kulturclash der besonderen Art .In seinem neuen Buch "Meine Nacht im Picasso-Museum" beschäftigt sich Kamel Daoud mit den Themen Erotik, Religion und Radikalismus. Er hat dafür eine Nacht im Pariser Picasso-Museum verbracht. Herausgekommen sind hochinteressante Betrachtungen aus verschiedenen Perspektiven: der des Westens und der eines erfundenen Islamisten namens Abdellah. Kamel Daoud, Autor des Bestsellers "Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung", lässt sich für eine Nacht im Picasso-Museum einschließen und riskiert einen Blick auf das Verhältnis des großen Malers zur Erotik, zur Kunst und zur Philosophie des Westens. Mit dabei ist Abdellah, ein junger islamistisch geprägter Mann, den Daoud sich ausdenkt und dessen Gefühlswelt angesichts der westlichen Zurschaustellung von Nacktheit und Diesseitsbezogenheit er ebenso beschreibt wie seine eigene. Ausgehend vom Begriff der Nacktheit entwickelt Daoud einen Text über das Kunst- und Selbstverständnis des Westens, aber auch über den Gedanken der "Reinigung der Geschichte" und der kulturellen Konkurrenz in der sogenannten arabischen Welt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2020

Als "barbarische, farbige Gastronomie" liest Kamel Daoud Picassos Gemälde aus seinem "Anée érotique" - und als wertvolle literarische Reflexion über Picassos Verhältnis zur Erotik, sowie über das Verhältnis von Erotik und Religion in der westlichen und der islamischen Kultur, liest Rezensentin Angela Schader wiederum Daouds Essay. Eine Nacht hat der algerische Autor allein im Pariser Picasso-Museum verbracht, eine Nacht, erklärt Schader, in der er sich einen imaginären Islamisten zur Seite stellt, dessen Perspektive die seine ergänzt und kontrastiert. Diese fiktive Gegenfigur nutzt er, um über die religiösen Ursprünge des Unbehagens beim Betrachten erotischer Darstellungen nachzudenken und die Zerstörungswut von IS-Kämpfern im Museum von Mossul oder auch die Gleichgültigkeit der Algerier in Bezug auf römische Bauwerke erklärt. Aber auch Überschneidungen zwischen den so verschiedenen Kulturkreisen lässt der Autor nicht außer Acht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2020

Rezensent Joseph Hanimann entdeckt jede Menge aufschlussreiche und anregende Betrachtungen zur Kunst und zum Bildverständnis in der arabischen und in der nicht-arabischen Welt in Kamel Daouds Essay. Ein Nacht allein im Pariser Musee Picasso vor Picassos erotischer Malerei inspiriert den Autor laut Hanimann zu allerlei anthropologischen, kultur- und religionsgeschichtlichen Überlegungen, erklärt Hanimann den Ursprung des Buches. Denkanstöße erhält er vor allem, wenn der Autor angesichts der Bilder zu Assoziationen und Hypothesen über die Neigung abendländischer Kultur zur Entblößung gelangt. Anderes im Buch scheint dem Rezensenten begrifflich allzu lose gestrickt oder dazu angetan, "die Kulturen zu essenzialisieren".
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.09.2020

Dirk Fuhrig streift mit Kamel Daoud nachts durch eine Picasso-Schau und denkt gemeinsam mit dem Autor über die Verbindung von Kunst und Sexualität in der westlichen wie in der islamischen Welt nach. Fuhrig liest aus dem "sprachmächtigen" Text die Kritik des Autors an der Unterdrückung der Frau heraus, ein Thema, das Daoud schon länger beschäftigt, wie Fuhrig weiß. Für Fuhrig eine originelle "Picasso-Fantasie" und tiefenpsychologische Deutung kultureller Gegensätze, die nur manchmal redundant beziehungsweise etwas küchenpsychologisch wirkt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.08.2020

Eva Hepper verbringt mit Kamel Daoud eine Nacht im Pariser Picasso-Museum. Hepper lernt dabei allerhand über Erotik, Moralvorstellungen und Tabus in der westlichen wie in der arabischen Welt. Wie der Autor den Leser nicht nur durch die Gemäldegalerie führt, sondern auch durch unterschiedliche Gefühls- und Gedankenwelten, durch die Historie und zu persönlichen erotischen Erlebnissen, scheint Hepper lesenswert. Bemerkenswert findet sie nicht zuletzt das Bedauern des Autors angesichts der Abkehr des Orients von Sinnlichkeit und Erotik.