Julian Schütt
Max Frisch
Biografie einer Instanz. 1955-1991

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432433
Gebunden, 706 Seiten, 38,00 EUR
ISBN 9783518432433
Gebunden, 706 Seiten, 38,00 EUR
Klappentext
Max Frisch, der in Millionenauflage gelesene Schweizer Weltautor, taugt noch lange nicht zum wirkungslosen Klassiker. Gerade in Krisensituationen bewährt er sich, weil er immer vom Individuum ausgeht, das sich zu seiner Zeit verhalten muss. Nach dem gefeierten ersten Band schließt Julian Schütt seine maßgebliche Max-Frisch-Biographie mit der Darstellung der spektakulären Jahre des Schriftstellers ab. In diesen verfasst er Meisterwerke wie "Homo faber", "Andorra", "Mein Name sei Gantenbein" oder "Montauk", prägt wichtige Debatten und wird in der Öffentlichkeit zu einer kritischen Instanz. Ebenso erregt sein glamouröses Liebesleben wie etwa die Beziehung mit Ingeborg Bachmann Aufsehen. Auf Basis von bisher unveröffentlichten Briefen und Aufzeichnungen sowie zahlreicher Gespräche mit Weggefährten erzählt Schütt auch von unbekannten Seiten Frischs. Trotz immensen Ruhms erlebt er private Desaster und will sich immer wieder entfliehen. So lässt sich ein neuer Max Frisch entdecken, der sagt, er habe als Autor "mit Leben bezahlt".
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 30.09.2025
Julian Schütts Doppelbiografie wird als "Standardwerk" über Max Frisch "nie wieder zu toppen sein", da ist sich Rezensent Marc Reichwein sicher. Sehr umfangreich ist dieser Band und schafft es trotzdem, seinen Gegenstand nicht unter der Materialfülle zu begraben. Stattdessen findet der Kritiker zahlreiche "sprechende Details", die ihm den Schweizer Schriftsteller ganz nah bringen: zum Beispiel Frischs notorische Eifersucht auf Enzensberger, sein politisches Engagement, das sogar den Schweizer Geheimdienst auf den Plan rief, aber auch Details aus Frischs Beziehung zu Ingeborg Bachmann. Auch vor Kritik an Frischs Person scheut sich Schütt nicht, so der Rezensent, sein negatives Urteil über Paul Celan entlarvt Schütt beispielsweise als Irrtum. "Umsichtige Werkinterpretationen" gerade von Schriften, die bei der Kritik eher durchfielen, wie "Der Mensch erscheint im Holozän" tun ihr Übriges zu einer gelungenen Biografie. Das einzige, worauf der Kritiker auch hier keine Antwort findet, ist die Frage, warum mit Frisch und Dürrenmatt gerade zwei Schweizer Schriftsteller so prägend für die deutsche Literaturszene wurden - vielleicht ein spannendes Thema für eine Doppelbiografie?
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.07.2025
Rezensent Andreas Isenschmid ist auch vom zweiten Teil der großen Max-Frisch-Biografie Julian Schütts, die sich den Jahren 1955 bis 1991 und damit Frischs Zeit als arrivierter Autor widmet, hellauf begeistert. Schütt stellt keine spekulativen Thesen auf, sondern präsentiert tolle Fundstücke, die Frischs Leben erhellen und er tut dies in einer präzisen, aber jargonfreien, eleganten, filmischen Sprache. Drei Hauptthemen präpariert der Rezensent aus dem Buch heraus: erstens Frischs Beziehung mit Ingeborg Bachmann, die vom Autor aus einer angemessenen Distanz beschrieben wird, wobei Schütt Frisch zumindest teilweise gegen Angriffe von feministischer Seite in Schutz nimmt; zweitens die Entstehung des Spätwerks Frischs (diese Passagen sind für Isenschmid der Höhepunkt der vorliegenden Frisch-Biografie, weil sie einem die Entstehung dieser außergewöhnlichen Texte so gut näherbringen); drittens schließlich Frisch als Gesellschaftskritiker. Abschließend geht Isenschmid noch auf eine bedauerliche Leerstelle ein: Über Käte Rubensohn, eine Jüdin, die Frisch in den 1930ern fast geheiratet hätte, erfährt man hier wenig. Sonst aber scheint der Rezensent rundum zufrieden mit Schütts nun komplett vorliegender Frisch-Biographie.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2025
Diese Biografie hat 700 Seiten, und das ist nur der zweite Band. Der erste erschien im Jahr 2011. Aber an keiner Stelle zieht der Schweizer Literaturwissenschaftler Andreas Kilcher in Zweifel, dass Frisch ein diesen Umfängen entsprechendes Monument ist. Etwas trocken vollzieht Kilcher in seiner ausführlichen Kritik die Stationen von Dürrs Biografie nach, die Schütt - auch weil, Frisch ein sehr biografischer Schreiber war - als "Gegenbiografie" beschreibt. Die Rolle der Architektur wird darin gewürdigt, der radikale Bruch von 1955, als Frisch das Architekturbüro und mit ihm gleich Frau und Kinder verließ, und als weitere wesentliche Station die Beziehung zu Ingeborg Bachmann, für die Kilcher nach Lektüre der Biografie "kein anderes Wort als Liebe" einfällt. Ob in dem Band Frischs literarischer Rang für heute befragt wird, lässt Kilcher in seiner insgesamt sehr positiven Besprechung offen. Das Wort "Autofiktion" fällt,und hier war Frisch sicher für Schütt und Kilcher gleichermaßen ein Vorreiter.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2025
In den höchsten Tönen schwärmt Rezensent Paul Jandl vom zweiten Teil von Julian Schütts Frisch-Biografie, für die sich der Schweizer Journalist vierzehn Jahre Zeit nahm: Und die merkt der Kritiker dem umfang- und materialreichen Werk an, das ihn anhand von Frischs Frauengeschichten direkt in Frischs Bücher führt. Und so liest Jandl hier, wie unverblümt Frisch die Frauen seines Lebens in seinen Romanen der Wiedererkennbarkeit aussetzte: Allen voran natürlich Ingeborg Bachmann, deren Beziehung zu Frisch, so scheint es in der Rezension, einen Hauptteil des Buches ausmacht. Aber Schütt bedient nicht den Mythos vom "Mörder" Frisch, sondern schlüsselt beider Abgründe auf, atmet Jandl auf. Nicht zuletzt entnimmt er dieser hervorragend geschriebenen Biografie, wie unsicher der Mann, der in Beziehungen oft als "selbstsüchtiger Tyrann" auftrat, im Grunde oft war.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.05.2025
Rezensentin Angela Gutzeit freut sich, dass nun der zweite Teil von Julian Schütts Max-Frisch-Biografie vorliegt, die das Leben des Schriftstellers ab 1954 behandelt und auf der Grundlage eines reichen Quellenstudiums - Briefe, Interviews, Filme und so weiter - sowie Gesprächen mit Zeitgenossen entstanden ist. Schütt bleibe auf Distanz zu Frisch und stelle Frisch gleichermaßen als jemanden dar, der zu sich selbst auf Distanz ging und mit der eigenen Identität spielerisch umging. Mit Schütt zeichnet Gutzeit Frischs Leben und Karriere nach dem Erfolg mit seinem Roman "Stiller" nach, unter anderem wird thematisiert, wie sich der Autor in innerschweizer Debatten einmischte, auf Seiten der Modernisierer, die gegen restaurative Tendenzen anschrieben. Weiterhin setzt sich dieses linear entlang des Lebens Frischs voranschreitende Buch sich mit der Antisemitismuskritik des Schweizers auseinander und auch mit der Kritik Paul Celans and Frisch in ebendieser Sache, lesen wir weiter. Und natürlich hat Schütt auch etwas über Frischs Beziehung zu Ingeborg Bachmann zu sagen, er legt, gegen jüngere Lesarten, die Frisch als einen biederen, Bachmann einengenden Kleinbürger darstellen, Wert darauf, dass die Beziehung von beiden Seiten her auf Liebe gründete, dass Bachmann sich Frisch teils entzog, während letzterer die Beziehung auch literarisch auszubeuten trachtete. Insgesamt schildert die Rezensentin Schütts Buch als den Idealfall einer Biografie, die kenntnisreich geschrieben ist und stets den Respekt gegenüber der dargestellten Person wahrt.
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