Godwin
Roman

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498050481
Gebunden, 432 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem amerikanischen Englischen von Nikolaus Stingl. Mark Wolfe ist im Job gerade wegen "Überarbeitung" in den Urlaub geschickt worden, als er zum ersten Mal seit Jahren von seinem Bruder in England hört. Geoff war schon immer ein Geschäftemacher; nun hat er etwas Großes am Wickel und bittet Mark um Hilfe. Er hat ein Video zugespielt bekommen: Ein Ballplatz. Rote Erde. Ein Junge, der Fußball spielt wie ein Gott. Die Welt des Fußballs, sagt Geoff, ist gefährlich, aber dieser Junge ist Millionen wert. Man muss ihn nur finden. Bald schon steigt Geoff frustriert aus dem Geschäft aus. Doch Mark findet heraus, dass das Video aus Benin stammt. Und er beschließt, sich mit einem halbseidenen Franzosen, der den Markt der Jungtalente aus Afrika kennt, auf die Suche nach dem Jungen zu machen. Als der Franzose ihn übers Ohr haut und alleine fliegt, kehrt Mark zurück in den Job, wo es auch Drama genug gibt. Doch eines Abends steht der Franzose vor seiner Tür. Er hat den Jungen gefunden. Er war nicht der erste. Und er erzählt Mark eine ungeheuerliche Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 26.07.2024
Rezensent Sebastian Moll findet Joseph O'Neills Roman um die Suche nach einem sagenhaften afrikanischen Fußballtalent, von dem nur ein Handyvideo existiert, absolut perfekt passend für das sportbesoffene Jahr 2024. Dass der Autor in seiner Geschichte das Thema des Postkolonialismus und die Aporien der Globalisierung anreißt, ohne zu moralisieren, dafür mit Humor und Sinn für die "Farce-hafte" Seite des Ganzen, findet Moll großartig. Wie die Suche nach dem großen Talent endet, auf die sich zwei recht unterschiedliche Zeitgenossen machen, verrät Moll nicht. Aber die Akteure sind letztlich ganz schön überfordert, lässt er uns wissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2024
So ganz glücklich ist Rezensent Johann Thöming nicht mit der Geschichte von Joseph O'Neill: Die Idee, zwei Fußballfunktionäre auf die Suche nach einem großen Talent zu schicken, das sie nur von Videos kennen, weiß durchaus zu überzeugen, leider wird der Entfaltung dieses Handlungsstrangs aber zu wenig Platz eingeräumt, bemängelt Thöming. Die zahlreichen Schlenker zur Geschichte des Fußballs seien zwar interessant, aber im Grunde genommen machten sie nur deutlich, dass der Roman ansonsten ganz schön dünn wäre. Schade, resümiert der Kritiker, er hätte gerne mehr über die interessanten Figuren Geoff und Mark erfahren und darüber, wie sie sich in der Fußballindustrie zurechtfinden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 12.07.2024
Rezensent Christoph Schröder hält Joseph O'Neills Roman, in dem zwei Erzählstimmen miteinander konkurrieren und der um ein diffuses Zentrum kreist, in dem ein junges afrikanische Fußballtalent eine Rolle spielt, für streckenweise arg verplaudert. Dass der Text ihn fasziniert, obwohl die Handlungsmotive unklar bleiben, liegt am Reiz des Verrätselten und einer raffinierten Komposition, die der Autor am Schluss "höchst elegant" zuspitzt. Ein Roman, der wegen seiner Kunstfertigkeit auch weniger am Fußball interessierte Leser begeistern könnte, glaubt Schröder.