Yaa Gyasi

Heimkehren

Roman
Cover: Heimkehren
DuMont Verlag, Köln 2017
ISBN 9783832198381
Gebunden, 416 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Anette Grube. Obwohl Effia und Esi Schwestern sind, lernen sie sich nie kennen, denn ihre Lebenswege verlaufen von Anfang an getrennt. Im Ghana des 18. Jahrhunderts heiratet Effia einen Engländer, der im Sklavenhandel zu Reichtum und Macht gelangt. Esi dagegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft. Während Effias Nachkommen über Jahrhunderte Opfer oder Profiteure des Sklavenhandels werden, kämpfen Esis Kinder und Kindeskinder ums Überleben: auf den Plantagen der Südstaaten, während des Amerikanischen Bürgerkrieges, der Großen Migration, in den Kohleminen Alabamas und dann, im 20. Jahrhundert, in den Jazzclubs und Drogenhäusern Harlems. Hat die vorerst letzte Generation schließlich die Chance, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, den sie Heimat nennen kann und wo man nicht als Menschen zweiter Klasse angesehen wird?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2017

Eine nicht weniger als "geniale", in ihrer Komplexität aber nicht immer einfach zu lesende "Topografie des 'Black Atlantic'" nennt Rezensent Martin Zähringer das Buch der in Ghana geborenen, in den USA aufgewachsenen Autorin Yaa Gyasi. Sieben Jahre intensive Recherche hat es sie gekostet, dieses mehrere Generationen, mehrere Länder und Kontinente umfassende Großwerk zu erschaffen, indem die Geschichte des Sklavenhandels sowie dessen Folgen für die afroamerikanische Gemeinschaft, ihren heutigen Status in den USA, aus mehreren Perspektiven erzählt wird. Zwei Grundgedanken leiteten die Autorin bei dieser Arbeit, weiß der Rezensent: Dass die Sklaverei der Ursprung der Diskriminierung ist, mit der Afroamerikaner in den USA immer noch zu kämpfen haben, eine "Wunde", die sich auch 150 Jahre nach dem offiziellen Ende der Sklaverei noch nicht geschlossen hat und, zweitens, dass zu dieser Geschichte, deren Aufarbeitung Gyasis Meinung nach noch aussteht, alle Beteiligten dazugehören, nicht nur die Sklavenhalter, sondern auch die Sklavenfänger in Afrika, die Sklavenhändler und -Auslieferer - eine Tatsache, über die Afrikaner und Afroamerikaner ungern sprechen und nachdenken, erklärt Zähriger. Nur eines besorgt ihn bei der ganzen Sache: dass der Gedanke der "afrikanischen Mittäterschaft" den falschen Leuten nützen könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2017

Rezensentin Marie-Sophie Adeoso findet Yaa Gyasis Debütroman über die in Ghana und Amerika spielende Geschichte einer Familie über acht Generationen beeindruckend und alles andere als ermüdend. Teils Familiengeschichte, teils Geschichte der Sklaverei konfrontiert der Text die Rezensentin mit einer Fülle von individuell gezeichneten Figuren. Wie Gyasi die einzelnen Biografien miteinander verknüpft, scheint Adeoso zu gefallen. Die Leerstellen im Text, laut Adeoso Hinweis auf das Erlittene, die Vermissten, die Traumata, die sich durch die Generationen ziehen, arbeitet die Autorin geschickt ein. Dass die darin aufscheinende Gewalt nicht im Zentrum steht, sondern die Ursachen und die Bezüge zur rassistischen Realität, findet die Rezensentin sinnvoll.