Amat Levin

Black History

Die vergessene Geschichte Afrikas.
Cover: Black History
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406834783
Gebunden, 528 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Noch immer beginnt für viele die Geschichte des "dunklen Kontinents" mit dem Kolonialismus. Amat Levin geht einen anderen Weg. Er folgt den Spuren untergegangener Kulturen und vergessener Ereignisse teils über Afrika hinaus zu Orten, in die unzählige Sklaven verschleppt wurden. Ethnologen interessierten sich für Afrika, weil sie hier "ursprüngliche" Zivilisationsstufen zu erkennen meinten. Solche Ansichten werden heute kaum noch offen vertreten, leben aber in der Fixierung auf schriftliche Geschichtsquellen fort. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2025

Vier Jahrtausende nimmt Amat Levin mit seinem Buch über die Geschichte Schwarzer Menschen in den Blick, staunt Kritikerin Renate Kraft: Wie ein Lexikon fügen sich die insgesamt 78 Abschnitte zusammen, alle davon lesenswert. Sie hebt hervor, dass sich Levin nicht scheut, auch ambivalente Elemente der Geschichte zu erzählen, so schreibt er beispielsweise über Thomas Sankara, der bei seinem Machtantritt 1983 in Burkina Faso zwar viele wichtige Neuerung brachte, beispielsweise das Verbot weiblicher Genitalverstümmelung, der allerdings auch ein Autokrat war, was letzten Endes zu seinem Fall führte. Trotz der für Kraft weniger gelungenen Übersetzung empfiehlt sie das Buch unbedingt. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2025

Lesenswert, wenn auch nicht immer ideal strukturiert ist dieses Buch, findet Rezensent und Afrikawissenschaftler Andreas Eckert. Der Journalist und Podcaster Amat Levin hat es sich zur Aufgabe gesetzt,  die Komplexität der Geschichte Afrikas aufzuzeigen, und er bezieht dabei auch die subsaharisch-afrikanische Diaspora mit ein. Es geht Levin nicht um die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft, stellt Eckert klar, wobei der Autor sich in der Fachliteratur durchaus auskennt - in erster Linie richtet sich das Buch an ein breites, historisch interessiertes Publikum. Gut gefallen Eckert insbesondere die klugen Darstellungen einiger Episoden der vorkolonialen Zeit, etwa wenn es um eine beeindruckende - und später von den Kolonisatoren verleugnete - schwarzafrikanische Stadt aus dem 11. bis 15. Jahrhundert oder den Sklavenhandel in der muslimisch geprägten Welt geht. Etwas arg durcheinander, kritisiert Eckert, geht es in den Abschnitten, die sich den Entwicklungen seit der Kolonialzeit widmen, da steht zum  Beispiel Lumumba etwas unvermittelt neben Rock'n-Roll-Musikerinnen. Für ihn selbst sind freilich auch diese Passagen interessant, schließt die insgesamt positive Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.09.2025

Als reflektiert, verständlich, differenziert und betont sachlich, lobt Rezensent Martin Hubert das Nachschlagewerk und Überblicksbuch von Amat Levin. Der schwedisch-gambische Journalist und Autor zeichnet die Geschichte schwarzer Menschen, die südlich der Sahara leben und in den Ländern nach, in die sie als Sklaven verschleppt wurden. In lose Zusammenhängenden Kapiteln entfalte er ein vielschichtiges Bild afrikanischer Traditionen, Kulturen und politischer Entwicklungen bis heute, so Hubert. Der Kritiker betont die Differenziertheit der Darstellungen: Neben den europäischen Kolonialverbrechen, behandelt Levin beispielsweise auch den arabischen oder innerafrikanischen Sklavenhandel. Neben politischen, sozialen und kulturellen Ereignissen widme er sich auch wenig bekannten Persönlichkeiten, etwa Prinzessin Yennenga, einer legendären Figur aus dem 12.Jahrhundert. Wer "ausführliche soziologische oder politökonomische Analysen" zur Entwicklung Schwarzafrikas erwartet, wird in diesem Buch nicht fündig, dafür gibt der Autor auf originelle Weise einen umfassenden Überblick über historische Phänomene, die nicht vielen bekannt sein dürften, schließt der durchaus überzeugte Kritiker.  

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2025

Ein insgesamt starkes Buch, das lediglich in seiner Schwerpunktsetzung nicht voll überzeugt, legt Amat Levin laut Rezensent Paul Munzinger vor. Es hat den Anspruch, insbesondere dem afrikanischen Kontinent seine Geschichte zurückzugeben. Denn die wurde ihm laut Levin von der westlichen Geschichtsschreibung genommen, wie sich etwa am Beispiel des Königreichs Groß-Simbabwe zeigen lässt, das in der Zeit des europäischen Mittelalters interkontinentale Handelsbeziehungen unterhielt und dessen Hauptstadt über 10000 Einwohner beherbergte. Munziger liest, wie Europäer, um ihre koloniale Machtstellung zu behaupten, den Afrikanern jeden Bezug zur Geschichtlichkeit absprachen - eben gegen diese Tendenz schreibt Levin nun an und geht dabei unter anderem auf den arabischen und den transatlantischen Sklavenhandel, das Malireich und vieles mehr ein. Dass Levin nicht nur über Afrika schreibt, sondern über die Geschichte aller Menschen mit afrikanischen Wurzeln, leuchtet Munziger zwar ein; teils gerät dabei der Kontinent, dem sich Levin ganz besonders widmen will, aber doch etwas zu sehr aus dem Blick, vor allem die USA kommt ihm zu häufig vor, Mandela hingegen gar nicht. Das Fazit fällt gleichwohl klar positiv aus - auch die europäische Geschichtsschreibung erfährt hier ein wichtiges Update, findet der Rezensent.

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