Mark Terkessidis

Wessen Erinnerung zählt?

Koloniale Vergangenheit und Rassismus heute
Cover: Wessen Erinnerung zählt?
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2019
ISBN 9783455005783
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Als das Deutsche Reich am 28. Juni 1919 den Vertrag von Versailles unterzeichnete, gingen die überseeischen Kolonien an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs über. Lange vergessen, kehrt die Kolonialperiode in Ländern wie Namibia, Kamerun oder Ruanda in den letzten Jahren in die Erinnerung zurück. Was bedeutet dieses Wiederauftauchen für die Bundesrepublik? Müsste in der "postkolonialen" Sichtweise nicht auch das deutsche Eroberungsstreben in Richtung Osten eine Rolle spielen? Die neue Erinnerungskultur hat gravierende Auswirkungen für das Selbstverständnis eines Landes, dessen Bevölkerung immer diverser wird. Der lange Schatten der deutschen "Kulturmission" findet sich heute etwa im Umgang mit der "Schuldenkrise", mit Migration und Flucht und im alltäglichen Rassismus.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.09.2019

Martin Hubert lässt sich vom Migrationsforscher Mark Terkessidis den Begriff deutscher Kolonisierung erweitern. Wie der Autor mit historischer Analyse und essayistischem Drive frühe Formen deutscher Kolonisierung offenlegt und aktuelle Bezüge herstellt (Stichwort: Ruanda), findet der Rezensent lesenswert. Wenn der Autor von einander überschneidenden Territorien spricht und die deutsche Expansion im Osten anschneidet, lehnt er sich laut Hubert zwar recht weit aus dem Fenster, verzichtet aber auf Urteile und liefert vor allem wichtige Denkanstöße.