Das Politische ist eine wichtige und durchgängige Komponente in Freuds Werk, denn für Freud werden sowohl die Psyche als auch die Gesellschaft von Macht und Herrschaft bestimmt. Seit dreißig Jahren werden die Debatten um die Psychoanalyse von der Frage geprägt, ob es sich hierbei um eine Hermeneutik oder aber um eine Naturwissenschaft des Seelischen handle. Brunners Lesart bewegt sich jenseits des alten Dualismus von Hermeneutik und Naturwissenschaft. Der Autor stösst zu der Einsicht vor, dass die Verschmelzung von hermeneutischem und szientifischem Diskurs bei Freud ungewollt zu einem neuen Diskurstyp führt, in welchem es zentral um die Erringung, Verteilung und Gestaltung von Macht geht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2002
Keine Frage, so der Rezensent (Kürzel LL.), dass es im Werk von Sigmund Freud von politischen Metaphern wimmelt - eine andere Frage allerdings, ob man von da aus sinnvoller Weise zu einer politischen Lektüre Freuds gelangen kann. Dass es geht, beweist dieses Buch, meint LL., das nicht zuletzt in Zeiten allgemeinen "Freud-Bashings" mit seinem Ansinnen "Mut" beweise. Vier Teile hat der Band, im ersten fragt der Autor nach dem Verhältnis von Freuds früher Theorie zum politischen Kontext von Rassismus und Nationalismus, im zweiten untersucht er Freuds Anwendung der Diskurse der Politik auf die Seele, der dritte widmet sich der klinischen Praxis der Psychoanalyse und zuletzt geht es noch um die "ödipale Politik" bei Freud. Brunner zielt, so der Rezensent, mit seiner Analyse "ins Zentrum" von Freuds Theorie und erhofft sich eine Integration hermeneutischer und szientifischer Lesarten. Da ist sich der ansonsten ganz einverstandene Rezensent nicht sicher: Vielleicht doch ein "hermeneutischer Imperialismus zweiter Ordnung"?
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