John Gray

Die Geburt al-Qaidas aus dem Geist der Moderne

Cover: Die Geburt al-Qaidas aus dem Geist der Moderne
Antje Kunstmann Verlag, München 2004
ISBN 9783888973550
Gebunden, 174 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Der Angriff auf das World Trade Center hat auch die Grundüberzeugung des Westens erschüttert, seinen herrschenden Mythos: Modernität. Den Glauben an die Aufklärung, den Glauben daran, dass Wissenschaft und technischer Fortschritt, freie Marktwirtschaft und Demokratie zu globalem Wohlstand und Frieden führen. John Gray zeigt in diesem Buch, wie wirklichkeitsfern und gefährlich dieser Glaube ist. Der islamistische Terror ist keineswegs ein Rückfall in mittelalterliche Methoden oder Vorbote eines dem Westen drohenden Kampfes der Kulturen. Auch mit Rückständigkeit hat er nichts zu tun, denn Osama bin Ladens Netzwerk ist so modern wie der Westen, ein Nebenprodukt der Globalisierung. Und al-Qaida wird nicht die letzte Gruppe sein, die die Produkte der modernen Welt für ihre eigenen monströsen Zwecke nutzt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2004

Nicht wirklich begeistert zeigt sich Rezensent Martin Meyer in seiner Besprechung von John Grays Essay über Fundamentalismus und Aufklärung. Zwar schätzt er den Ideenhistoriker Gray und seine "eingängige Prosa", kann aber in dessen neuem Essay keine "echten Perspektiven" entdecken. Eingehend referiert er Grays kritische Auseinandersetzung mit der Moderne, die der Autor vor allem als Versuch der Selbstermächtigung des Menschen gegen die Natur und religiös-theologische Bevormundung beschreibt, für die Fortschritt durch Technik das Zauberwort ist. Am Beispiel von Kommunismus, Nationalsozialismus und dem radikalen Islam sucht Gray den kriegerischen Fundamentalismus aus einem für die Moderne spezifischen Geist der großen Machbarkeit zu erklären. Dass sich der Terrorismus seine Waffen nach den Möglichkeiten des Fortschritts schmiedet, hält Meyer für ein "banales Faktum". Beunruhigender findet er, "dass die letzten Überzeugungen der Agenten des Schreckens in der Vormoderne zusammenlaufen." Für ihn nährt Grays Essay letztlich nur die Melancholie, "dass der Streit der Werte vergeblich wäre."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004

Robert Misik "langweilt" John Grays Essay über den islamistischen Terror und seine Wurzeln in der westlichen Moderne. Al Qaida als Produkt des Westens, diese Grundthese kann Misik nicht lange faszinieren. Denn das Ganze werde so "verschwurbelt und unausgegoren" präsentiert, "dass es wehtut". Durchaus "pointenreich" beschreibe der Wirtschaftsprofessor zwar die Entwicklung von einem teils übersteigerten Positivismus des 19. Jahrhunderts über den daraus resultierenden Totalitarismus des 20. Jahrhunderts bis hin zu der immer radikaler werdenden Abwehr der Moderne in den vergangenen Jahrzehnten, aber seine Einsicht daraus - alles ist modern, Moderne und Antimoderne - ist "so wahr, das es schon wieder banal ist", beklagt sich Misik.

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